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Dienstag, 7. Mai 2013

Pressemitteilung LAURENZ V - Generation Grüner Veltliner

Leser meines Blogs kennen schon die Weine von Laurenz V - die ich in den vergangenen Monaten hier vorstellte. Gestern erreichte mich einer Pressemitteilung der Weinfreundin Katharina Haase, die ich hier heute gerne poste.


Lieber Huub Dykhuizen, 

LAURENZ V. Grüner, das Flaggschiff“Charming“ im Speziellen, haben ihre top Qualität und Akzeptanz einmal mehr unter Beweis gestellt.
Nach Zürich hat Charming zum zweiten Mal in Folge in Dublin den ersten Platz bei einer Blindverkostung internationaler Grüner Veltliner mit renommierten Weinexperten belegt (“GENERATION GRÜNER“ by LAURENZ V. Verkostungsreihe, 23.04.2013).   
Grüner ist auf dem Vormarsch - international.
Internationale top Grüner aus Österreich, aber auch aus Deutschland, den USA, der Slowakei und Australien haben gut abgeschnitten.

(Details siehe Durchschnittsergebnisse aller bisherigen Tastings hier)

LAURENZ V. befindet sich auf der Mission, aus dem Grüner “Ghetto” auszubrechen (95 % der gesamten österreichischen Weinproduktion werden im deutschsprachigen Raum konsumiert, lediglich 5 % gehen in den Export). 
Teil unseres Ziels ist es, dazu beizutragen, Grüner auf seinem Weg zu mehr internationaler Anerkennung zu unterstützen und Österreichs Nationalrebe in Märkten wie China, den USA, Großbritannien oder Japan zu positionieren.  

Sollten Die die Weine einmal im Handel auffallen, kann ich Dir den Kauf empfehlen und sollten Die die Weine im Handel nicht auffallen - empfehle ich Dir mehr danach zu suchen :-).

Freitag, 26. April 2013

Weingut Wiesler - ein echter Tipp.

Hier stelle ich Euch das Weingut Wiesler aus dem Anbaugebiet Baden vor und kann dieses Haus jedem Weinfreund wärmstens empfehlen. Die Inhaber verkörpern Ihr Weingut mit so viel Freundlichkeit, Service und Qualitätsgedanken, wie es im Alltag immer seltener anzutreffen ist. 

Als ich die ersten Weine des Guts zur Verkostung erhielt, fielen mir direkt die sehr ansprechend gestalteten Weinetiketten und einheitlich verschlossenen Weinflaschen auf. Ein toller roter Faden, dachte ich mir, der die angenehmen Vorgespräche mit Frau Kristina Wiesler widerspiegelten. Und ich gebe hier gerne zu, dass ich bin ein großer Freund von gut gemachten Weinetiketten bin. Für mich ist dies nicht nur ein erstes Indiz dafür, dass ein Winzer sich Gedanken zur Vermarktung seiner Weine macht, sondern in aller Regel spiegeln diese Etiketten auch die Professionalität der Arbeit im Weinberg und Weinkeller. Statt viele weitere Worte zu verlieren, stelle ich Euch hier das Weingut einfach mal im originalen Wortlaut vor.


Hallo Huub,


Wir lesen unsere sogenannten Editionsweine von Hand, zum Teil in kleinen Kisten, nur zwei dürfen übereinander liegen, damit sie sich nicht drücken (z. B. Gewürztraminer und Weißburgunder Editon alte Rebe von 1954). Die Boxen mit den Trauben werden mit dem Drehstapler überleert, Trauben und Maische werden nicht gepumpt. Die Moste werden gekühlt und nach der natürlichen Sedimentation (8-24 Stunden) erst mit der Pumpe in den Keller befördert. Dadurch erzielen wir eine reintönige Gärung und feine Aromen. Wir verwenden Reinzuchthefen. Zum Teil wird auch Ganztraubenpressung gemacht ( z. B. Blanc de Noirs). Die Spätburgunder Trauben für Rotwein werden entrappt und möglichst wenig verletzt, die Maischegärung erfolgt dadurch zum Teil in der ganzen Traube. Die Spätburgunder Editionen werden im Barrique ausgebaut.



Die alten Rebstöcke von 1954 wurden von Michaels Großvater, der damals Rebveredler war, noch selbst veredelt und werden gehegt und gepflegt. Leider gibt es den Weißen Burgunder jetzt nur noch von 2011 und er ist noch etwas jung, wenn er aber etwas Luft bekommt und geschwenkt wird, kann man schon ahnen, was er bald zeigen wird, das ist ein Wein, der bis in 2 Jahren wohl erst richtig zeigt was er kann, leider wird da nicht mehr viel da sein :)


Jahrgang 12 ist noch im Keller, leider sehr wenig, da wir letztes Jahr eine schlechte Blüte und im August einen schlimmen Hagelschaden hatten. Die Qualitäten sind aber sehr gut und wir füllen im Mai unsere ersten Standard-Weine von 2012 ab. Manche werden aber erst im Herbst gefüllt, die Editionen sollen noch auf der Hefe liegen bleiben, so wird beim Weißburgunder Edition die Hefe auch immer wieder aufgerührt (Batonage). Dadurch erhalten wir die Frische und die Langlebigkeit.

Der Ertrag ist bei den Editionen etwa 40-45 l/ha, bei den Standard-Weinen etwa 65-70 l/ha und unsere einzige Literflasche (ein Gutedel) wird nach Vorlese mit dem Vollernter geerntet, wenn es das Wetter zulässt und bringt in etwa 100 -120 l/ha. 

Wir ernten nur vollreife, gesunde Trauben, schreiben aber keine Prädikate mehr auf das Etikett, wir haben unsere Kunden beobachtet und gemerkt dass eine Spätlese oft als zu süß und zu kräftig empfunden wird, wenn dieses Prädikat auf dem Etikett steht. Hat der Kunde hingegen keine Vorgabe, urteilt er nach seinem Geschmack und das ist uns wichtig. Wenn vorher schon Spätlese auf dem Etikett entdeckt wird, probieren manche erst gar nicht. 

Unsere Weine sind durchweg trocken, wir haben nur drei verschiedene die noch etwas Restsüße haben, allerdings nicht mehr als 11 g/l, die wir als feinherb etikettieren. 



Ich hoffe ich habe jetzt nicht zuviel geschrieben und hoffentlich auch korrekt wiedergegeben, was mein Mann mir beigebracht hat. Wenn noch Fragen sind, bitte stellen, wir beantworten sie gerne.

Ich soll noch schreiben, dass unsere Reben gerade kurz vor dem Austrieb stehen und sind knapp 3 Wochen später dran wie letztes Jahr. Die Rebarbeiten sind fertig, jetzt kanns draußen losgehen :)

Viele Grüße und ein schönes Wochenende
Kristina

Habe ich zu viel versprochen? Schaut Euch die Internetseite des Weinguts an, bestellt die wirklich tollen und preisgünstigen Weine oder schaut auf einen Besuch bei der Familie Wiesler vorbei, ich bin mir sicher, Du wirst genauso herzerfrischend und freundlich empfangen, wie Kristina die oben stehenden Zeilen schrieb.


Montag, 22. April 2013

Vom Umgang mit kritischer Weinberichterstattung

Wie bereits am vergangenen Freitag angekündigt, stelle ich meine Antwort auf die Reaktion des Pressesprechers der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut hier als offenen Brief vor.



Sehr geehrter Herr Lies,

vielen Dank für Ihr ausführliches Feedback, zu meinen Artikel anlässlich der Jungweinprobe der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut am 6. April 2013.
Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass Sie sich mit Ihrer Reaktion vor Ihre Mitarbeiter und Erzeugnisse stellen. Anders hätte ich es auch nicht erwartet, zudem wird in Ansätzen erkenntlich, dass Sie einen Konsens sehen bzw. suchen.
Demgegenüber bin ich davon ausgegangen, dass Sie bzw. die Winzervereinigung souveräner mit dem ganzen Sachverhalt umgehen würden. Als Blogger, der Aufmerksamkeit mit seinen Artikeln erzielen möchte, nutze ich teilweise ganz bewusst einen provokativen Schreibstil. Zugleich ist es mir wichtig, meinen Lesern weitergehende Informationen zu bieten und so habe ich die möglichen Ursachen für die verkosteten Bittertöne aufgezeigt, ohne diese in eine direkte Verbindung mit den verkosteten Weinen oder der Arbeit des/der Kellermeister zu bringen.
In Ihrer Antwort befinden sich neben provokanten Aussagen auch süffisante, bisweilen polemische und in Ansätzen zynische Elemente. Ob dieser Stil einem Unternehmen angemessen ist, lasse ich dahin gestellt, ich sehe es jedenfalls als inadäquat an. Um die von Ihnen eingebrachte emotionale Schärfe heraus zu nehmen, versuche ich so nüchtern wie möglich, Ihre Argumentatiosstruktur zu betrachten und stelle meine Antwort auf Ihre E-Mail zu allgemeinen Diskussion. Vielleicht ergeben sich für beide Seiten neue Erkenntnisse. 

1. Hinsichtlich der Subjektivität von Geschmack im Allgemeinen und Weinbewertungen im Speziellen besteht Einigkeit, so schrieb ich bereits in meinem Artikel, dass meine Verkostungsnotizen auf rein subjektiven Empfinden beruhen. 

2. Ihren Weinen habe ich keine echten Weinfehler nachgesagt, sondern sogar die Hoffnung hervor gehoben, dass es sich nicht um solche Fehler handelt. Mir ging es lediglich darum, den Lesern des Blogs diesen Fehler vorzustellen und als mögliche Ursache zu benennen. 

3. Ich maße mir nicht an, mögliche Fehler im Keller aus der Ferne zu diagnostizieren. Die angeführten Aspekte stammen auch nicht aus einem Lexikon, sondern beruhen auf Meinungen befreundeter Winzer und Weinküfer, die mögliche Ursachen so wie ich betrachten. Folgerichtig habe ich die Ursachen für die Bitter- und Petrolnoten als Vermutung tituliert und Ihnen keine konkreten Fehler unterstellt. Auch in diesem Fall ging es mir in erster Linie darum, für meine Leser mögliche Ursachen zu beleuchten.

4. Unterschiedliche Studien verweisen auf einen signifikanten Anstieg von Bittertönen insbesondere bei Weißweinen. Dieser Anstieg wird allgemein als kritisch bewertet und ist insbesondere für die Qualität von Weißwein als abträglich einzustufen (siehe dazu: Forschungsbericht Molekular-sensorische Charakterisierung und technologische Vermeidung des bitteren Fehlgeschmacks in Weißwein des Forschungskreis der Ernährungsindustrie E.V.). In diesem Bericht wird ferner angeführt, dass naturbedingte Bittertöne im Weinkeller verstärkt werden können, so dass gegebenenfalls auch von einem „Kellerton“ gesprochen werden kann. 

5. Es würde den Rahmen dieser Antwort sprengen, wenn ich auf die Unterschiede der gustatorischen Wahrnehmung näher eingehen würde. Hingegen frage ich mich, warum Sie darauf verweisen, dass man vielfach auch das schmeckt, was man schmecken wollte. Wollen Sie damit andeuten, ich hätte die Bittertöne vorurteilsbehaftet schmecken wollen, um anschließend negativ darüber zu berichten? Wenn ja, wäre das aus meiner Sicht ein ziemlich schlechter Versuch, meine geschmackliche Bewertung in Frage zu stellen. 

6. Sie stellen als „Quasi-Gegenbeweis“ heraus, dass externe Zungen diese bitteren Geschmacksnoten nicht als derart „verheerend“ empfanden, und führen im selben Absatz weiter aus, dass die meisten von mir angeführten Weine auf Landes- und Bundesebene mit Silber und Bronze belohnt wurden. Das lässt meine eigene Bewertung zugegebenermaßen zunächst schlecht aussehen, unabhängig davon, dass auch bei diesen Prämierungen subjektiv bewertet wird und kein Indiz für eine allgemeingültige Aussage hinsichtlich des Geschmacks und die Qualität der Wein darstellt.

Nur warum finden sich auf der Homepage der Winzervereinigung zu den Weinen des Jahrgangs 2012 keine Hinweise auf erfolgte Prämierungen? Auf Gebiets- und Landesebene fanden nach meinem Kenntnisstand für den Jahrgang 2012 jedenfalls noch keine Prämierungen statt. In der aktuellen Liste (Stand: 18. April 2013) des Deutschen Weinsiegels für die geprüften Weine der letzten 365 Tage findet sich ebenfalls kein Wein Ihres Hauses. Bei der Bundesweinprämierung der Weine 2013 von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft sind sieben Weine Ihres Hauses verzeichnet, von denen zwei mit Silber und fünf mit Bronze ausgezeichnet wurden. Allerdings waren es sechs Weine des Jahrgangs 2011 und nur einer des Jahrgangs 2012 - der 2012er Müller-Thurgau DQW trocken mit einer DLG Medaille in Silber (Prämierungsverzeichnis der DLG – Stand 18. April 2013). Vor diesem Hintergrund verliert Ihr Argument für mich erheblich an Gewicht.

Lassen Sie mich die Bundesweinprämierung ein wenig hinterleuchten: Geprüft werden beim Wein nur die Erzeugnisse, die zuvor erfolgreich bei einer Landes- oder Gebietsweinprämierung, der Auszeichnung Deutsche Güteband Wein oder Auszeichnung Deutsches Weinsiegel mit mindestens 3,50 Punkten bewertet wurden. Prinzipiell liegt es im Ermessen eines jeden Unternehmens, ob und welche Weine zu dieser Bundesweinprüfung angemeldet werden. Daraus folgt, dass natürlich nur die Weine angemeldet werden, die in erster Linie Aussicht auf Erfolg versprechen. Schelm, wer dabei Böses denkt. 

Ihr 2012er Müller-Thurgau DQW trocken erzielte in der Prüfung jedenfalls zwischen 4,00 und 4,49 von 5,00 Punkten, das ist sicher keine schlechte Auszeichnung, bedeutet aber zugleich, dass es zu Gold nicht reichte. Abschließend komme ich nicht umhin zu fragen, wie Sie anführen können, dass die meisten der von mir verkosteten Weine mit Silber und Bronze ausgezeichnet wurden, wenn nach meinen Recherchen bislang nur eine Auszeichnung veröffentlich wurde?

7. Zwei bei der Jungweinprobe anwesende Journalisten kamen zu anderen Bewertungen als meine Begleitung und ich. Und? Es liegt mir fern, die Weinerfahrungen dieser Journalisten in Frage zu stellen und ob Sie Petrolnoten auch als solche erkennen und benennen könnten. Allerdings wäre es schön, wenn Sie benannt hätten, aus welchem Ressort (Auto, Sport, Kultur etc.?) diese Personen stammen? Warum heben sie Arbeitsweise der Berufsgruppe so deutlich hervor. Wollen Sie mir eine ähnliche Sorgfalt absprechen? Den Verweis auf ein Wein-Glossar lasse ich unkommentiert.

8. Über Ihre im Zusammenhang mit der Kellerführung getätigte Aussage der vorgegaukelten Wahrnehmung kann ich hinweg sehen, aber mir eine negative Konditionierung nachzusagen, ist vollkommen deplatziert und verletzend. 

9. Buttersäure gehört unbezweifelt zu den Fetten bzw. Fettsäuren. Indes gibt es keine eigenständige Geschmacksrichtung Buttersäure, so wie es auch keine eigenständige Geschmacksrichtung Zucker gibt. Die gustatorische Wahrnehmung beschreibt die gesamte Geschmacksrichtung (Oberbegriffe) und nicht einzelne Stoffe (Unterbegriffe). Daher ist es sachlich und fachlich falsch, Buttersäure als eigenständige Geschmacksrichtung zu benennen.

10. Jeglicher Spott gegen Ihre Mitarbeiter, Produkte und die gesamte Winzervereinigung liegt mir fern. Sollte in meinem Artikel dieser Eindruck entstanden sein, entschuldige ich mich dafür. Die grüne Lese ist unbestritten eine Maßnahme der Qualitätssicherung bzw. –steigerung, und daher stellte ich diese in meinem Artikel nicht in Abrede. Ansatzpunkt meiner Kritik war, dass die Mitarbeiterin diese Maßnahme als besonderes Merkmal der Vereinigung hervorhob und in einem Atemzug mit der qualitativ hochwertigen Ertragsbegrenzung von 70 hl/ha benannte. Wie Sie selbst anführen, gibt es jährliche Schwankungen in der Erntemenge. Wenn ich die Zahlen des Weinbauverbandes Saale-Unstrut zu Grunde lege, lag das allgemeine Mittel des Anbaugebiets in den Jahren 1994-2011 bei 50hl/ha gegenüber 70 hl/ha in Ihrer Vereinigung. Nun erklären Sie mir bitte, wo liegt in dieser höheren Produktion der Qualitätsgedanke?

11. Wird Ihre Vereinigung nicht auch von Winzern getragen/genutzt, die zum Teil sehr kleine Anbauflächen sowie ein starkes Interesse daran haben, den bestmöglichen Gewinn für Ihre Trauben zu erzielen? So stelle ich in den Raum, dass viele Ihrer Mitglieder auch auf Masse setzen (müssen), wenn sich der Anbau und die Arbeit im Weinberg noch rentieren sollen. Oder liege ich mit diesen Annahmen völlig daneben? Mir geht lediglich darum, keine falschen Argumente ins Feld zu führen, die aus dem Zusammenhang gerissen sind und den Teilnehmern der Kellerführung ein falsches Bild vorgaukeln. 

12. Über Ihre letzten beiden Absätze kann ich nur schmunzeln. Ich wünsche weder eine Erstattung des Eintrittspreises zur Kellerführung noch möchte ich ein Weinseminar Ihres Hauses besuchen, da ich keinen weiteren Cent bereuen möchte.
 
Summa summarum komme ich nicht umhin, Ihre Antwort keinesfalls als angemessene Reaktion auf meinen Artikel und die dabei erstellten Verkostungsnotizen zu werten. In meiner E-Mail an den Geschäftsführer Ihres Hauses signalisierte ich deutlich, dass ich an einem kooperativen und sachdienlichen Dialog interessiert bin.

Entschuldigen Sie bitte, Herr Lies, ein souveräner Umgang mit Kundenkritik sieht für mich anders aus.

Vineuze Groetjes
Huub Dykhuizen 

Freitag, 19. April 2013

Reaktion der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut

Am 10. April 2013 sowie am 11. April 2013 postete ich meine Eindrücke anlässlich der Jungweinprobe 2013 der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut. So führte ich im Artikel an, dass ich die Verantwortlichen der Vereinigung auf meine Eindrücke aufmerksam machen werde, um Gelegenheit zu einer Reaktion zu geben. In zwei persönlichen E-Mails wies ich den Geschäftsführer der Winzervereinigung zudem darauf hin, dass ich weder seine Weine prinzipiell kritisiere, noch  ausschließen kann, dass meine subjektiven Eindrücke bei der Bewertung der Weine falsch sein könnten. 
Gestern erhielt ich eine Antwort auf meine E-Mail sowie den Artikel. Bevor ich darauf antworte, werde ich die morgige gemeinsame Jungweinprobe der Anbaugebiete Sachsen und Saale-Unstrut besuchen. Ich verspreche mir davon mehr Erkenntnisse, ob es sich bei den beanstandeten geschmacklichen Bitternoten um ein allgemeines Jahrgangsphänomen in den Anbaugebieten handelt, oder doch nur einen einzelnen Erzeuger betrifft. 

Die Antwort erhielt ich übrigens vom Pressesprecher der Winzervereinigung, der in einem Absatz seiner Einlassungen auf die besonnene und professionelle Arbeitsweise von Journalisten hinweist: "(...) das ist die Berufsgruppe, die zunächst gründlich recherchiert, dann wertet und schließlich veröffentlicht. (...)" 

Da der Pressesprecher als Betreiber eines eigenen Pressebüros sicher ebenfalls gründlich recherchiert und wertet, übernehme ich den letzen Part und veröffentliche den Inhalt seiner E-Mail hier gerne. Und das ganz bewusst ohne jegliche Stellungnahme meinerseits, so dass sich jeder sein eigenes, unvoreingenommenes Bild machen kann. Um die Einlassungen des Pressesprechers besser nachvollziehen zu können, habe ich meine Verkostungsnotizen zudem für den allgemeinen Download bereit gestellt.



Sehr geehrter Herr Huub Dykhuizen,

es ist bedauerlich, dass Ihnen unsere Weine nicht munden. Das kommt natürlich in der Weinwelt vor. Da Sie uns aber Ihre Verkostungsnotizen freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben, nutzten wir unsere wöchentliche Qualitätskontrolle, Ihren Wahrnehmungen nachzugehen. Darüber hinaus haben Sie auf Ihrer Webseite Weinfehler benannt, die Sie in unseren Produkten zu erkennen glaubten. Dabei haben Sie so ziemlich alles aufgefahren, was das Lexikon so hergibt - von UTA bis Petrol, gespickt mit einer Liste von möglichen Ursachen. Zugegeben, schwerer Tobak für eine Kellermannschaft.

Ihr Kernvorwurf bezieht sich auf einen Bitterton, den Sie so ziemlich in allen Weinen herausgeschmeckt haben wollen. Wie Sie sicher wissen, gehören Bittertöne zum natürlichen Geschmacksbild. Die Bitterstoffe sollten harmonisch im Wein eingebunden sein. Deren Wahrnehmungsgrenzen unterliegen dabei den subjektiven Fähigkeiten der gustatorischen Mundwerkzeuge. Die Hauptarbeit aber übernimmt das menschliche Rechenzentrum mit seiner mehr oder weniger gefüllten Datenbank. Dort werden Vergleiche früherer Weinproben herangezogen, dort spielen aber auch Erwartungen und persönliche Erlebnisse eine Rolle. Vorlieben, Enttäuschungen, auch Vorurteile sind mit von der Partie. Nicht umsonst geistert auch durch die Winzerkeller die Erkenntnis, dass man vielfach das schmeckt, was man auch schmecken wollte.

Das als kurze Einleitung. Nun also zu den Ergebnissen unserer Verkostung. Ihre Wahrnehmung bezüglich einer verheerenden Dominanz der Bitterstoffe konnte nicht geteilt werden, auch wenn deren Existenz nicht in Abrede gestellt wurde. Diesen Bitterton jedoch quasi als „Kellerton“ herauszustellen, wirkt schon etwas bitter. Dem widersprechen auch frühere Verkostungen durch externe Zungen. So bei den einschlägigen Weinprämierungen auf Landes- und Bundesebene. Dort wurden beispielsweise die meisten der von Ihnen angeführten Weine mit Silber und Bronze belohnt.

Verwunderung riefen auch Ihre Beschreibungen hinsichtlich der beiden angestellten Traminer hervor. Gratulation, lieber Weinbastard, Petrol, Nitroverdünnung und Ethylacetat hat bislang noch niemand in diesen Weinen entdeckt. Auf Ihrer Internetseite war auch die Rede von UTA, Schutzgas oder medizinischen Tönen. Auch dem sind wir nachgegangen, leider ohne Erfolg. Zwei Journalisten – das ist die Berufsgruppe, die zunächst gründlich recherchiert, dann wertet und schließlich veröffentlicht – haben wie Sie an der Jungweinverkostung teilgenommen und durchaus differenzierte Kritik geäußert. Doch auch deren Gaumen kam zu anderen Schlüssen als der Ihre.

Dass an diesem Termin kein Kellermeister anwesend war, ist bedauerlich, war aber einer besonderen Situation geschuldet. Allerdings war die Aussage der beiden anwesenden Mitarbeiter völlig richtig, als sie bezüglich der Abfüllung auf die AP-Nummer verwiesen. Sicherlich finden Sie in einem Wein-Glossar die Erklärung dafür.

Nun noch ein Wort zu Ihren Erlebnissen unter Tage. Auch hier bedauern wir, bei Ihnen solche negativen Eindrücke erzeugt zu haben. Aber gern erinnere ich an dieser Stelle wieder an unser Großhirn, das uns ja schon bei den Geschmäckern so manches vorgaukeln kann. Mal ehrlich, mit Ihren Verkostungsergebnissen im Kopf hätte wohl nicht einmal einer der legendären Sektkeller in Reims eine Chance? Schade, dass Sie, so negativ konditioniert, unserer Reiseführerin durch einen der größten Holzfasskeller Deutschlands nicht richtig entspannt folgen konnten.

Zu Missverständnissen führte offenbar eine Bemerkung hinsichtlich einer sechsten möglichen Geschmacksrichtung. Im Weinglossar von www.wein-plus.eu ist bereits von einer wissenschaftlich gesicherten Zuordnung die Rede. Fett oder fettig könne man demnach schmecken. Und da kommt unsere Buttersäure ins Spiel. Die ist nicht nur per Nase kaum überriechbar, sondern soll auch geschmacklich präsent sein, meinen manche Wissenschaftler. Und darauf bezog sich unsere Mitarbeiterin.

Falls Sie also nicht nur Spott im Sinne, sondern auch Neugier im Herzen tragen, hier noch einige Fakten: Der durchschnittliche Hektarertrag liegt in Deutschland bei 93 Hektoliter. Die Winzervereinigung kommt auf rund 70 Hektoliter, im langjährigen Mittel. Das schließt nicht aus, dass es Jahre mit 88 hl/ha gibt wie im Jahr 2008, aber auch Ausbrecher nach unten wie 2012 mit knapp 39 hl/ha. Trotzdem haben die Genossenschaftswinzer auch in knappen Jahren mit der Grünen Lese die Erträge verringert, zugunsten der Qualität am Stock.

Hinsichtlich Ihrer leider nicht gestellten Frage zu den Glasleitungen hätten Sie von Ihrer Kellerführerin erfahren, dass 1974 aus dem Mangel an Edelstahl in der DDR auf diese außergewöhnlichen Rohrsysteme zugriffen werden musste. Jena liegt nur 50 Kilometer entfernt. Dort wurde aus der Not eine Tugend und bestes Jenaer Glas für die kilometerlange Strecke verbaut. Auch im vierzigsten Jahr noch immer robust und transparent wie am ersten Tag.

Über 8.000 Besucher nutzen pro Jahr die Gelegenheit, einen Blick in die Keller der Winzervereinigung zu werfen. Den unterschiedlichsten Erwartungshaltungen dabei zu entsprechen, gehört zu den schönen und nicht immer leichten Aufgaben unserer Mitarbeiterinnen. Ihre Erfahrungen, lieber Weinbastard, haben wir zum Anlass genommen, über Inhalte und Formen unserer touristischen Angebote weiter nachzudenken.

Da Sie ja „jeder Cent gereut“, erstatten wir Ihnen gern den Eintrittspreis zur Kellerführung von vier Euro retour, das Glas können Sie natürlich behalten. Bitte nennen Sie uns Ihre Bankverbindung.

Sollten Sie mehr über das Anbaugebiet und deren Weine erfahren wollen, empfehle ich Ihnen den Besuch eines unserer Weinseminare, die regelmäßig der Weinbauverband Saale-Unstrut anbietet.


In der Hoffnung, Ihre Fragen umfassend beantwortet zu haben, verbleiben wir
mit freundlichen Grüßen

Theo M. Lies
Pressesprecher
der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut e. G.


Donnerstag, 11. April 2013

Nachtrag - Jungweinprobe 2013

Zu der Dame, die die Kellerführung durchführte (siehe gestrigen Artikel), muss ich doch noch zwei "Anekdoten" erzählen. Im Rahmen Ihrer Gesamtabhandlung Weinwissen - vor der eigentlichen Kellerführung - stellte sie  als "Weinkennerin" nebenbei auch die Unterschiede zwischen dem unterschiedlichen Leistungsvermögen des Geruchs- und Geschmacksinns vor. So vertrat sie die Ansicht, dass der Mensch über sechs Geschmackssinne verfüge: Süß, Salzig, Bitter, Sauer, Umami und ButtersäureButtersäure, als eigener Geschmackssinn; das nenne ich eine gewagte Aussage. Ich enthielt mich einer Zwischenbemerkung, schließlich hätte es gut sein können, dass die Wissenschaft diesen Geschmackssinn mittlerweile wirklich verifiziert hat. Meine anschließenden Recherchen zu diesem "neuen" Sinn verliefen, wie nicht anders erwartet, ergebnislos. Oder hat jemand eine Quelle für mich, die ihre Aussage unterstützt?

Während der Kellerführung, wir befanden uns gerade im Bereich mit den Großtanks, sprach Sie von den tollen Qualitätsbemühungen seitens der Winzervereinigung und führte die grüne Lese an, die u.a. darin resultiert, dass "nur" 70 hl/ha geerntet werden. Da konnte ich mit eine spontane und zugegebenermaßen provokante Nachfrage nicht mehr verkneifen. So fragte ich sie, ob sie unter 70 hl/ha wirklich Qualität verstehen würde. Sie unterstrich dieses sehr resolut als ein Indiz für die hohe Qualität der produzierten Weine. Leider konnte ich diese Aussage nicht völlig unkommentiert im Raum stehen lassen und erwiderte, dass ich einen derartigen eher als Masse in Saale-Unstrut bewerten würde. Da ich sie und die anderen Teilnehmer der Führung nicht in eine weitergehende Diskussion verwickeln wollte, beließ ich es bei dieser Äußerung. 
Aber heute habe ich zwei Tipps für die Dame: Die Erntemenge 2012 galt in Saale-Unstrut als sehr gering, die Erträge lagen durchschnittlich bei rund 37 hl/ha, sollte sich ihr angegebener Wert von 70 hl/ha nur auf 2012 beziehen, ist die Frage der Qualität schnell geklärt. Bezog sich ihre Aussage jedoch auf den Jahresdurchschnitt im gesamten Anbaugebiet, sollte sie, so wie ich, die Aussagen des zuständigen Landesverbandes lesen - dort wird festgehalten, dass die durchschnittlichen Erträge aller Winzer des Anbaugebiets Saale-Unstrut (Zeitraum 1994-2011) bei 50hl/ha liegen.



Mittwoch, 10. April 2013

Winzervereinigung Freyburg-Unstrut - Jungweinprobe 2013

Am Samstag 6. April 2013 fand in den Räumen der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut die gut besuchte Jungweinprobe des Jahrgangs 2012 statt. Zur Verkostung standen: 1 Sekt, 14 Weißweine, 1 Rosé sowie 4 Rotweine; davon wurden 5 Weine als Fassprobe angeboten. Wie Du dem Bild entnehmen kannst, wurden die Weine angemessen präsentiert, Wasser und Brot zum Neutralisieren waren stets ausreichend vorhanden und es wurde darauf geachtet, dass alle Weine gut temperiert angeboten wurden. Dafür spreche ich den Veranstaltern mein Lob aus. Das Lob muss ich jedoch direkt trüben, denn leider vermisste ich kompetente Ansprechpartner, um meine Fragen bezüglich der Weine eventuell beantworten zu können. Entweder war niemand anwesend, oder die anwesenden Ansprechpartner glänzten nicht wirklich mit Kompetenz. Harte Worte meinerseits, aber sie spiegeln ungeschminkt meine Meinung. Warum ich Fragen zu den Weinen hatte? Lies bitte weiter ...

Um den Rahmen dieses Beitrags nicht zu sprengen, verzichte ich darauf, jeden verkosteten Wein einzeln vorzustellen (wer mehr wissen möchte, gerne per E-Mail). Stattdessen komme ich direkt zum Resümee: nahezu alle Weine fand ich wenig schmackhaft, um es höflich auszudrücken. Mit dieser Meinung war ich vor Ort glücklicherweise nicht allein, ansonsten hätte ich an meinem Geruchs- und Geschmackssinn gezweifelt.

Das Gros der Weine wies hier und da rebsortentypische, fruchtige und interessante Aromen auf, die Lust auf den ersten Schluck machten. Wie ernüchternd war da das Erlebnis jedoch im Mund! Jegliche Fruchtigkeit war in Nanosekunden verschwunden. Zurück blieben wenig schmackhafte bittere Noten, Alkohol und teilweise petrolische bzw. medizinische Noten. Ich möchte mich nicht in Vermutungen für dieses getrübte Geschmacksbild ergehen, mir kamen jedenfalls folgende Möglichkeiten in den Sinn: 
  • Harte bzw. bittere, petrolische und medizinische Töne, eher ungewöhnlich für junge Weine, die können vielleicht ein wenig unsauber, von mir aus auch kantig oder grün sein, aber warum erscheinen sie eher wie alte, überlagerte Weine?
  • Ist da im Keller was schief gelaufen?
  • Anbruchlagerung? Vielleicht geiziger Einsatz von Schutzgas in den Tanks oder die Fässer waren nicht permanent spundvoll während des Ausbaus, so dass sich das im Wein gelöste Kohlendioxid verflüchtigt hat, zumal die Säure wenig „prickelte“?
  • Einsatz von Aromenhefen, die Fruchtigkeit vorgaukeln, zumal insbesondere die lieblichen Weine die bitteren Noten überdeckten – trockene und halbtrockene Wein jedoch besonders bitter waren?
  • Wurde der Wein eventuell Wein zu viel bewegt, oder mit niedrigen Oe° geerntet? Wurden zu scharfe Filterschichten verwendet, oder waren bei dem Kieselgurfilter mehrere Durchläufe nötig?
  • Könnte sich der Weinfehler Petrolton eingeschlichen haben, der bei jungen Weinen auftreten kann? Für diesen Fehler würde sprechen, dass nicht alle Verkostenden diesen Fehler erschmeckten, da Menschen unterschiedlich sensibel darauf reagieren. 
  • Hatte eventuell sogar die im nahe gelegenen Naumburger Dom "beheimatete" Uta von Naumburg ihre Hände im Spiel? Der gleichnamige Weinfehler UTA kam mir bei einigen Weinen ebenfalls in den Sinn, auch wenn ich mal nicht hoffe, das Freyburg und Naumburg sozusagen eine unglückliche Liaison eingegangen sind.
  • Oder deuten die stark bitteren Noten  auf den Weinfehler Bitterton hin? Der ist zwar selten und eher bei Rotweinen anzutreffen aber das Glycerin könnte bakteriell bedingt in den Weinen abgebaut sein.
Aber das sind alles nur Vermutungen! Wie zuvor erwähnt, hätte ich meine Eindrücke gerne mit einem Verantwortlichen der Winzervereinigung z.B. dem Keller- oder Produktionsmeister besprochen. Denn generell schließe ich niemals aus, dass meine subjektive Bewertung falsch sein könnte - schließlich hat jeder mal einen "schlechten" Tag, an dem die eigenen Sinne nicht wie sonst funktionieren.
Ich kam jedoch nur dazu, eine einzige Frage an zwei anwesende Personen der Winzervereinigung zu stellen, die mir jedoch noch nicht einmal genau sagen konnten, wann die Weine abgefüllt wurden. Ein Blick auf die AP-Nummer und die Aussage 2013 sind keine wirklich professionellen Aussagen. Bezeichnenderweise entfernten sich beide Ansprechpartner direkt wieder, ohne die Möglichkeit zu bieten, weitere Fragen zu stellen. Schade eigentlich, denn so bekam die ganze Veranstaltung für mich leider einen sehr schalen Beigeschmack. Wenn die Weine so in den Handel kommen, werden einige hartgesottene Patrioten dieses Anbaugebiets sie sicher kaufen, bei versierten Weinfreunden sehe ich da eher schwarz.

Apropos Beigeschmack - parallel zur Jungweinprobe wurden auch Kellerführungen angeboten. Und da ich von Natur aus neugierig bin, bezahlte ich den Obolus von € 4 zunächst sehr gerne. Was dann allerdings kam, ließ mich jeden Cent nachtrauern. Es begann damit, dass die Dame, welche die Kellerführung durchführte, sich nicht persönlich vorstellte und niemand wusste, welche Funktion sie innerhalb der Winzervereinigung inne hat. (Ich googelte und fand ihr Bild und ihren Namen im Internet. Da ich wenig Schmeichelhaftes über sie berichte, werde ich sie verständlicherweise nicht benennen, um sie nicht namentlich zu diskreditieren.) Jeder Teilnehmer erhielt im Vorraum des Kellers ein kleines Probierglas, das als Erinnerung mit nach Hause genommen werden konnte. In das Glas kam entweder ein Müller-Thurgau oder Bacchus. Da ich nichts mehr probieren wollte, verzichtete ich auf den Wein, aber die Dame füllte resolut – und gegen meinen Willen – dennoch ein! Da ich die Kellerführung nicht direkt mit Stunk beginnen wollte, verzichtete ich darauf, meinem Unmut über diese Aktion Luft zu verschaffen.

Nun folgte eine Schnelllektion in Weingeschichte allgemein, Weingeschichte Saale-Unstrut, Weinanbau, Weinverkostung und Geschmackssinne garniert mit Sinnsprüchen aus der Weinwelt – das Ganze ohne Punkt und Komma vorgetragen – ich fühlte mich regelrecht erschlagen. Ohne die Möglichkeit, die Dame etwas zu fragen, ging es weiter zur Führung durch den Keller. Im Keller wurde weiter geredet – nein, die Dame redete weiterhin ohne Punkt und Komma und ließ keine Möglichkeit zu vertiefenden Fragen. So hätte ich wahnsinnig gern mehr über die ungewöhnlichen Glasleitungen erfahren.

In der Mitte des Rundgangs fragte sie zwar einmal: "Gibt es noch Fragen? Nein, dann weiter." Das heißt niemand hatte ausreichend Zeit eine Frage zu formulieren, da sie schon weiter ging. So stelle ich mir eine interessante Kellerführung jedenfalls ausdrücklich nicht vor, es fehlte jegliche emotionale Abholung – von meinem negativen Erlebnis des Zwangeinschenkens zu Beginn einmal abgesehen – oder ein sinnliches Erleben während der Führung. Wer physische und psychische „Druckbetankung“ mag, dem wird eine solche Führung gefallen – ich war hingegen maßlos enttäuscht und innerlich angefressen. Wer mich kennt, weiß, dass ich mir die Laune nicht verderben ließ und so habe ich den Ausflug zumindest unter interessant verbucht.
Diesen Beitrag werde ich nicht nur hier auf meinem Blog posten, sondern die Winzervereinigung direkt darauf hinweisen, und bin gespannt, ob und wie darauf eingegangen wird.