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Aus der Welt des Weins

Champagne Gosset - alles, nur nicht teuer!

Champagner | Königin der Schaumweine 

- oder überteuertes Luxusprodukt? 

Chamapgne Gosset
Im September 2017 besuchte ich mit SpitzenköchInnen und Sommeliers das Weinhaus Gosset. Vor Ort hatten wir nicht nur die Möglichkeit die Produkte des Hauses ausgiebig zu verkosten, sondern auch einen tieferen Einblick in die Besonderheiten der Champagne zu erhalten. Nathalie Dufour (Außen- und Innendienst) sowie Wilfred Schuman (Export) betreuten uns überaus sympathisch und wuchsen uns innerhalb kürzester Zeit ans Herz.

Das Weinhaus Gosset gilt seit 1584 als das ältestes Weinhaus der Champagne. Das Haus ist in der kleinen Stadt Aÿ beheimatet, die im Herzen der Champagne liegt. Bis heute schätzen Weinfreunde aus aller Welt die Opulenz und Eleganz der Gosset Champagner. 

Weinrechtlich gehört Champagner wie Sekt, Cava oder Spumante zur Gruppe der Schaumweine. Letztgenannte sind für weniger als 3,00 € (0,75 l) erhältlich, hingegen beginnen die günstigsten Champagner um die 13,00 €. 

Bekannte Champagnermarken wie Moët & Chandon, Veuve Cliqot oder Pommery liegen zwischen 25,00 € und 50,00 € und so manche Premiumabfüllung kostet schnell einige Hundert Euro. Grund genug, um anhand des ältesten Weinhauses der Champagne die Frage zu klären, ob der Preis für Champagner gerechtfertigt ist. 


Im Weinberg

15.800 Winzer und kleine Weinbauern bewirtschaften in der Champagne rund 34.000 Hektar. In Anbetracht der Anzahl der Weinbauern und der zur Verfügung stehenden Anbaufläche ist wenig verwunderlich, dass die meisten Weinbauern keinen eigenen Champagner herstellen, sondern ihre Trauben an die großen Champagnerhäuser oder Winzergenossenschaften verkaufen.

Naturgemäß gibt es Unterschiede im Qualitätspotenzial der einzelnen Flächen. 17 Gemeinden sind als Grand Cru und 44 als Premier Cru klassifiziert. Sie heben sich durch ihr Terroir (Boden, Klima, Mikroklima) von den anderen Flächen ab. Für Trauben, die hier geerntet werden, erhalten die Weinbauern höhere Preise. 


Gosset bezieht seine Trauben von ca. 200 Winzern, die rund 150 Hektar - ausschließlich Grand Cru und Premier Cru – bewirtschaften. Lediglich 1 Hektar ist in Eigenbesitz. Pro Kilo Trauben bezahlt Gosset 6,50 € an die Weinbauern (Stand - September 2017).

Um die Traubenpreise stabil zu halten, wird stets darauf geachtet, langfristige Lieferverträge abzuschließen. Im internationalen Vergleich ist der Kilopreis ein sehr stolzer Wert. In anderen Anbauregionen der Welt erhalten die Weinbauern oftmals deutlich weniger als 0,50 € pro Kilo.

Der vergleichsweise hohe Traubenpreis ist nicht allein durch die Klassifikation der Anbauflächen begründet. In der Champagne muss per Hand gelesen werden, und 2017 waren pro Hektar lediglich Trauben für 8.000 Flaschen (0,75l) erlaubt. Trauben, die nicht komplett reif sind oder über der erlaubten Gesamtmenge liegen, dürfen zudem nicht geerntet werden. Die 100.000 Erntehelfer die jährlich in der Champagne im Einsatz sind, müssen aufgrund dieser strikten Regulierungen große Mengen an Trauben hängen lassen.

Im Keller

Die Pressung der Trauben erfolgt prinzipiell in zentralen Pressstationen, die in der gesamten Region verteilt sind. Nach den Vorgaben von Gosset werden die Trauben gepresst (0,50 €/pro Kilo) und anschließend zu Gosset in Aÿ geliefert. Für eine Flasche Champagner (0,75l) werden rund 1,2 Kilo Trauben benötigt. Die Kosten belaufen sich somit schon auf rund 8 € pro Flasche (Trauben,  Pressung und Transport) bevor die Herstellung im Keller beginnt. 

Dazu gesellen sich später noch die Kosten für die Flasche, Korken, Agraffe und Siegelplatte, Investitionskosten für die Vinifizierung, Personal- und Vertriebskosten, Sektsteuer, Mehrwertsteuer sowie die Zeit der Kapitalbindung für die Reifung des Champagners im Keller.


Odilon de Varine - der Kellermeister des Hauses Gosset - prüft den angelieferten Most sensorisch und analytisch und legt die Tankbelegung fest. Dabei achtet er darauf, dass die Rebsorten getrennt voneinander vergoren werden müssen. Daher müssen für jeden unterschiedlichen Champagnerstil unterschiedlich große Tanks vorhanden sein. 

Zudem darf die Assemblage (Zusammenfügen der gewünschten Komposition) erst nach der Gärung und muss vor der Abfüllung in die Flaschen erfolgen. erfolgen. Das bedeutet, dass die Champagnerhäuser nicht nur viele Gärtanks, sondern auch sehr große Tanks für die spätere Assemblage haben müssen.

Die Reifung

Nach dem Befüllen der Flaschen mit der gewünschten Komposition oder Qualitätsstufe müssen Champagner generell für mindestens 15 Monate in der Flasche gelagert werden, Jahrgangschampagner sogar für mindestens 3 Jahre.

Odilon de Varine lässt bereits die Einstiegsqualität Brut Excellence (ab rund 29,00 € erhältich) für mindestens 3 Jahre in den kilometerlangen Gängen unter dem Firmensitz reifen. Er vertritt den Standpunkt, im Gegensatz zu vielen anderen Experten, dass Champagner generell sehr gut reifen kann. Aus diesem Grund hat er den 15Ans de Cave A Minima Brut im Programm, der ähnlich einem Whisky aus unterschiedlichen Jahrgängen erstellt wird, die bereits seit 1999 in den Kellern reifen. 


Die Spitzenprodukte des Hauses namens Celebris Rosé 2007 (15.000 Flaschen) und Celebris Vintage 2004 (20.000 Flaschen) wurden vor dem Degorgieren für mindestens 6 bzw. 10 Jahre gelagert. Apropos lagern: Champagner muss stets stehend gelagert werden, um den Kohlensäureüberdruck in der Flasche konstant zu halten.

Das Fazit

Die Eingangsfrage, ob Champagner ein überteuertes Produkt lässt sich einerseits mit „Nein“, andererseits aber auch mit „Ja“beantworten. Wie geschildert, sind die Herstellungskosten für einen Champagner insgesamt deutlich kostenintensiver als für andere Schaumweine. 

Nein: Gosset bietet beispielsweise insgesamt keine überteuerten Produkte an. Das resultiert vornehmlich auf den konsequenten Verzicht eines üppigen Marketingbudgets, teurer Werbung, Sponsoring oder Product Placement. Diese Ausgaben sind bei anderen Champagnerhäusern nicht unerheblich und schlagen sich entsprechend in höheren Verkaufspreisen nieder.


Ja: Besonders im sogenannten Premiumsegment vieler Champagnerhäuser lassen sich die hohen Verkaufspreise nicht mehr mit den Herstellungs- und Werbungskosten erklären. 

Manche Händler und Produzenten argumentieren in solchen Fällen gern mit Begriffen wie exklusiv und streng limitiert. Das ist allerdings nicht immer zutreffend: vom Premiumprodukt Dom Perignon des Hauses Moet & Chandon kommen laut unbestätigter Quellen zwischen 6 und 10 Millionen pro Jahr in den Handel. Wer will da noch ernsthaft von einer Limitierung sprechen, die den hohen Verkaufspreis rechtfertigt? 

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