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Aus der Welt des Weins

Die "Eskimos" vom 51ten Breitengrad

Unter dem Motto Jahrgangspräsentation 2016 stellten am vergangenen Samstag 13. August 2016 die Winzer des Projekts Breitengrad 51 (unterstützt von drei befreundeten Weingütern) ihre Weine vor. Die Veranstaltung fand im Garten des Klosters Pforta statt und selbst Petrus war den Anwesenden gewogen. In den Tagen zuvor war des Wetter eher bescheiden, jedoch pünktlich zum Samstag schien die Sonne über dieser gelungenen und hochinteressanten Veranstaltung.

Foto: Vincent Grätsch / Fotostudio-Merseburg.de

Der Eintrittspreis von 79,00 Euro für die Veranstaltung ließ mich zunächst aufhorchen. Schließlich ist das eine Menge Geld für eine Weinpräsentation. Daher war ich neugierig, was den Gästen geboten wird. Um es vorweg zu nehmen: die Veranstaltung ist jeden Cent wert. Aber der Reihe nach ...

Wein von Eskimos?

Lange Zeit wurden die Weinmacher von Saale-Unstrut, von denen sich sechs Winzer zum beachtenswerten Projekt Breitengrad 51 zusammenschlossen, als Eskimowinzer bezeichnet. Das hier "oben" gute Weine wachsen könnten, galt für die Winzer der südlicheren deutschen Anbaugebiete als ein Ding der Unmöglichkeit. Wie sollen in dem neben Sachsen nördlichsten deutschen Anbaugebiet gute Weine entstehen, bei dem viel zu kühlen Klima? Pustekuchen kann ich da nur sagen! Die Qualitäten, die hier mittlerweile erzeugt werden, strafen alle Skeptiker Lügen und müssen sich weder national noch international verstecken.

Das Konzept Breitengrad 51

Hinter Breitengrad 51 stehen die sechs Weingüter Born, Böhme & Töchter, Hey, Gussek, Kloster Pforta und Frölich-Hake, die mit Engagement, Pioniergeist und erfolgsorientiertem Streben die Weine von Saale-Unstrut auf ein neues Level stellen wollen und es tatsächlich schaffen. Ähnlich der Qualitätspyramide des VDP unterteilen sie ihre Weine in vier Stufen, um Weinfreunden eine leicht verständliche und schlüssige Hilfe für den Weinkauf an die Hand zu geben.
Als Faustregel gilt, je spezifischer die Lage auf dem Etikett gefasst ist, desto hochwertiger ist der Inhalt in der Flasche. Das ist deutlich transparenter als andere Versuche, besondere Qualitäten hervorzuheben. Allen Weinen der Qualitätspyramide ist gemein, dass jeder Wein unverkennbar die Handschrift des jeweiligen Weinguts bzw. Winzers erkennen und Glas für Glas genießen ist.

http://www.breitengrad51.de/de/idee-breitengrad51

Das Fundament bilden die Gutsweine, die für leichte und filigrane Weine stehen, bei denen Frucht und Trinkfreude im Vordergrund stehen. Ob trocken, halbtrocken oder feinherb, sie sind für mich allesamt ordentliche Weine für den Alltag und jeden Geldbeutel.

Die Ortsweine sind meistens trocken ausgebaut und punkten mit Frucht und deutlicher Mineralität. Sie reflektieren noch deutlicher den Boden und präsentieren erkennbar mehr Intensität.

Aus ausgewählten Parzellen stammen die sortenreinen Lagenweine, die auch ein Weinlaie direkt an ihrer Komplexität, Mineralik und Dichte wiedererkennt. Locker ausgedrückt, diese Weine bedeuten schon ganz großes Kino.

An der Spitze der Pyramide stehen die Breitengradweine, die sich gegenüber ihrem Äquivalent Großes Gewächs vom VDP (Verband deutscher Qualitätswinzer) definitiv nicht verstecken müssen. Laut den eigenen Qualitätsrichtlinien müssen diese trockenen und sortenreinen Weine aus den typischen Rebsorten, den alten und steinigen Weinbergslagen von Saale-Unstrut stammen und eine Mindestreife von 95 Grad Oechsle aufweisen. Bevor sie dieses Gütesiegel auf dem Etikett tragen dürfen, müssen sie zudem einer strengen internen Prüfung standhalten. Auf Grund dieser Vorgaben ist es nicht ungewöhnlich, wenn nicht jeder Jahrgang das Zeug dazu hat, Breitengradweine hervorzubringen.
Dieses Vorgehen zeigt deutlich, mit welchem Qualitätsverständnis die Winzer arbeiten, wenn sie in Eigenregie entscheiden, ob ihre Weine die höchste Klassifikationsstufe erfüllen oder auch nicht. Mir gefielen die vor Ort verkosteten Weine ausnahmslos. Sie überzeugten mit Klasse, Rasse und Intensität. Wenn die Lagenweine schon großes Kino bedeuteten, lassen sich diese Weine am ehesten mit Hollywood-Blockbustern vergleichen. Mann, ich klinge echt euphorisch. *Anmerkung an mich, Euphorie herunter fahren ...


Jahrgangspräsentation Breitengrad 51
Fotos: Dirk Grüttner | WMCS & Friends

Die Veranstaltung

Während der Veranstaltung konnten sich die Gäste an allen Ständen der Winzer über die Qualitäten der Weine ein eigenes Urteil bilden. Überraschend war für mich, wie viele Gäste ganz gezielt nach bestimmten Weinen Ausschau hielten. Ein untrügliches Indiz dafür, dass die Weine entweder schon bekannt waren und sich großer Beliebtheit erfreuen oder die Neugier sehr groß war. Einige Gäste verweilten dazu gern an den Ständen oder nutzten die vielfältigen Möglichkeiten, sich mit anderen Weinfreunden an den vielfältig arrangierten Sitzmöglichkeiten, über die Weine auszutauschen.

Neben den Winzern von Breitengrad 51 waren zudem die VDP-Winzer Uwe Lützkendorf und Bernard Pawis sowie das Weingut Klaus Böhme (mit seinen "Bergsternen) anwesend. Auch an ihren Ständen herrschte ein reges Kommen und Gehen. Kein Wunder, bei den tollen Qualitäten, die sie ausschenkten.

Jahrgangspräsentation Breitengrad 51
Fotos: Vincent Grätsch / Fotostudio-Merseburg.de

Ich gebe gern zu, dass ich den Weinen von Saale-Unstrut bislang eher skeptisch gegenüber stand und in Teilen auch noch stehe. Leider füllen hier manche Winzer eher bescheidenes Mittelmaß zu oftmals stolzen Preisen ab. Übergreifend betrachtet ist das Preisniveau für Weine von Saale-Unstrut generell recht hoch. Demgegenüber bin ich ein Freund von Weinen mit einem guten Preis-Genuss-Verhältnis und greife daher oftmals lieber zu Weinen von Winzern anderer deutscher Anbaugebiete.

Nur, darf der Preis wirklich immer das Kriterium sein, ob ich man die Weine eines gesamten Anbaugebiets mag oder nicht? Letztendlich muss ich mir selbst eingestehen, dass ich mich aufgrund meiner langjährigen Erfahrung nicht komplett von diesem Denken davon frei machen kann. Aus meiner Sicht werden in den kleineren Qualitäten anderer Anbaugebiete bessere Weine zu günstigeren Preisen angeboten. Nach den Gesprächen mit den anwesenden Winzern relativiere ich meine diesbezügliche Meinung, da sie mir ausführlich darlegten, zu welchen Konditionen sie ihre Weine anbieten müssen, um wirtschaftlich vernünftig arbeiten zu können. Für die Lagenweine und Breitengradweine, Großen Gewächse und Bergsterne sieht die ganze Sache zudem anders aus. Diese Weine werden zu adäquaten Preisen angeboten, so dass ich hier sicher öfter zu Weinen aus dieser Region greifen werde.

Was ich bei den anwesenden Winzern verkosten durfte, lässt mich meine Einstellung zu den Weinen von Saale-Unstrut grundlegend überdenken. Vom "einfachen" Gutswein bis hin zu den Top-Qualitäten Breitengrad 51, Großes Gewächs oder Bergstern - die Weine dieser höchsten Klassifikation wussten allesamt zu gefallen (von der einen oder anderen persönlichen Abneigung gegen bestimmte Rebsorten oder Weinstile mal abgesehen).

Heraus heben möchte ich die Herzlichkeit und Freundlichkeit aller anwesenden Winzer. Sie standen allen Gästen Rede und Antwort, tauschten sich aus und verrieten das eine oder andere Geheimnis aus ihrer täglichen Arbeit. Egal, ob alter Haudegen oder engagierter Jungwinzer - was sie an dem Abend in die Gläser füllten, ist es absolut wert, daheim allein, mit der Familie oder gemeinsam mit Freunden zu genießen. Am liebsten würde ich hier nun jeden der von mir verkosteten Weine ausgiebig vorstellen, nur würde das den Rahmen dieses Artikels sprengen. Wer bislang - wie ich - den Weinen von Saale-Unstrut eher skeptisch gegenüber steht - der Eskimogedanke lässt grüßen - sollte den einen oder anderen Wein der hier vorgestellten Weingüter unbedingt kaufen und genießen. Ach, was sage ich da? Probiert sie alle!

Fazit

Leider endete für mich der Abend viel zu früh, da ich noch einer privaten Verpflichtung folgen musste. Viel zu gern hätte ich noch mehr Weine verkostet, vom tollen Flying Buffet genascht oder den extra eingerichteten Shuttle-Service in Anspruch genommen. Ich weiß jedenfalls, dass mich noch so manche Reise zu den hier ansässigen Winzern führen wird und das gleiche kann ich nur jedem Weinfreund raten. Plant ein Wochenende für Saale und Unstrut ein, erfreut euch an der Landschaft, tauscht euch mit den Winzern aus - und haltet dabei ein Glas Wein Saale-Unstrut in jeder Hand. Zu guter Letzt, die Breitengradwinzer präsentieren ihre Weine auch in 2017 wieder. Beschenkt euch selbst oder andere Weinfreunde damit, es lohnt sich auf jeden Fall.


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