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Aus der Welt des Weins

Rueda - eine Pressereise in die Zukunft des spanischen Weißweins



Der Weinraum, unendliche Weiten. Wir befinden uns in einer fernen und doch so nahen Weinwelt. Dies sind die Abenteuer des Forschungsschiffs ff.k Ruedareis, das viele Meilen von Deutschland entfernt unterwegs war, um das Anbaugebiet zu entdecken, unbekannte Möglichkeiten der Rebsorte Verdejo zu verkosten und neue Weinfreunde zu gewinnen. Die Reisegruppe Rueda drang dabei in Trinkerlebnisse vor, die nie ein einzelner zuvor in dieser Form erlebt hat ...

Die Einladung

Unter Führung der Agentur ff.k Public Relations GmbH folgten 12 internationale Weinfreunde (Journalisten, Blogger, Herausgeber, Fotografen und Sommeliers) der Einladung des Kontrollrates der D.O. Rueda, Region, Winzer und Weine zu erforschen. Das Programm bestand aus Kultur, Wissen, Kulinarik und da war doch noch etwas ...

Ach ja, Wein ;)

Das Team rund um den Direktor Herr Santiago Mora Poveda und Frau Sarah Vullanueva Gomez hieß uns nicht nur herzlich willkommen, sondern verstand es perfekt, uns für die Region, die Winzer und deren Weine zu begeistern. Beide können sicher sein, dass jeder Teilnehmer aus unserer Gruppe zum Fürsprecher für die herausragende Entwicklung der Weine aus Rueda wurde.

1 Rebsorte - unendliche Vielfalt und Möglichkeiten

Captain Jan Koch und sein 1. Offizier Stefano Avarello (ff.k Public Relations GmbH) führten das illustre Team auf eine spannende und genussvolle Tour durch dieses Anbaugebiet, das seit 1980 das erste reglementierte Anbaugebiet der spanischen Region Kastilien-León ist. Möge der Rebensaft mit uns sein!

Zum tragenden Motto dieser Pressereise wurde die Erkenntnis, dass die Rebsorte Verdejo in Rueda in den letzten Jahren zu ungeahnten Höhenflügen ansetzte. Vorbei sind die Zeiten des einfachen Zechweins - und trotz des rasanten und anhaltenden Anstiegs der Qualitäten sind die Preise für die Weine auf einem günstigen Niveau geblieben. 

Die großen DREI

Wie in allen Weinanbaugebieten der Welt verwiesen die acht besuchten Bodegas (Weingüter) auf die drei großen Einflussfaktoren, die ihre Weine zu etwas ganz besonderem machen: Gelände, Klima (inkl. Mikroklima), und Boden

Gelände

Eingebettet zwischen den Rotweingebieten Ribera del Duero im Osten und Toro im Osten wachsen die Reben in Rueda auf durchschnittlich 700-800 Meter über NN. Diese Höhe hat verständlicherweise Auswirkungen auf das Klima vor Ort ...

- Impressionen von der Rueda-Tour | 22. bis 25. Mai 2016 -

Klima

Die Höhe des Anbaugebiets hatte niemand aus unserer Gruppe so richtig auf der Uhr. So verwunderte uns zwar nicht, dass Ende Mai Tagestemperaturen von rund 24 Grad erreicht wurden, aber kaum jemand hatte mit den empfindlich kühlen Temperaturen von 3 Grad in der Nacht gerechnet.

Die großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht von bis zu 25 Grad Celsius sorgen im Zusammenspiel mit rund 2.000 Sonnenstunden im Jahr für eine positive Entwicklung der Trauben. Die Weine weisen dadurch eine ausgeprägte Säure- und Aromenstruktur auf.

Daneben ist das Klima allgemein hart und kontinental geprägt, so dass die Rebstöcke jedes Jahr zu Höchstleistungen gezwungen werden. Durch die lange Kälteperiode reifen die Reben insgesamt spät und langsam. Christian Bungard der Export Manager von der Bodega Palacio de Bornos brachte es im Rahmen einer Abendveranstaltung markant auf den Punkt: Wir haben 9 Monate Kälte und 3 Monate Hitze, ohne Frühling oder Herbst dazwischen. Das macht Rueda zu einem perfekten und zugleich schwierig zu beherrschenden Gebiet für den Anbau von Weißweinen, zumal die Gefahr von Nachtfrösten selbst Ende Mai noch gegeben ist.

Boden

In den verschiedenen Regionen wachsen die Reben auf Schwemmböden (Ablagerungen aus der Eiszeit), Kiesterrassen und in den höheren Lagen auf Kalkablagerungen. Luft- und wasserdurchlässige Steinböden wechseln sich mit braunen Böden ab, die reich Mineralien wie Magnesium und Kalzium sind.



Durch die unterschiedlich stark steinigen Böden und die sehr geringen Niederschlagsmengen (300 bis 500 mm Jahresdurchschnitt) werden die Rebstöcke gezwungen sehr tief zu wurzeln, um ausreichend Wasser und Nährstoffe für das Wachstum zu erhalten.

Anbau 

Das Anbaugebiet ist nach dem gleichnamigen Ort Rueda benannt. In diesem eher unscheinbaren Dorf hat auch der Kontrollrat der D.O. Rueda Region seinen Sitz. Von der insgesamt 190.000 Hektar zur Verfügung stehenden Landfläche entfällt nur ein relativ kleiner Teil auf den Weinanbau. Derzeit werden 13.000 Hektar genutzt und laut Dekret des Kontrollrats dürfen keine weiteren neuen Flächen hinzukommen, um die Qualität des Anbaus nicht zu gefährden.

Auf 10.520 ha wächst die Rebsorte Verdejo, daneben sind noch Sauvignon Blanc, Viura und Palomino als weiße Rebsorten zugelassen. Ferner dürfen vier rote Rebsorten angebaut werden, die jedoch nur ein Nischendasein fristen. In Angesicht der Qualität der hier produzierten Weißweine ist das für uns Weinfreunde nicht weiter tragisch.

Kurzer Blick in die Historie - die letzten 132 Jahre

Wie in vielen anderen Regionen Europas verhagelte die Reblaus ab 1884 die Freude am Weinbau. Die Winzer bestockten ihre Flächen mit den schnell wachsenden und ertragreichen Sorten Palomino und Viura, um die finanziellen Verluste schnell ausgleichen zu können. Allerdings gerieten diese seelenlosen und oftmals aufgespriteten Weine schnell in Vergessenheit.

Zum Glück für uns Weinfreunde besann sich 1972 die Bodega Marqués de Riscal auf das Potenzial der Verdejo und pflanzte diese in Rueda im großen Stil neu an. Auf Grund der großen Nachfrage nach ihren Weinen, folgten weitere Bodegas ihrem Beispiel, rodeten die Flächen und bestockten in erster Linie mit Verdejo neu.

Mit dem neuen Erfolg der Weißweine aus Rueda experimentieren einige Bodegas auch mit Espumosos (Schaumweinen) - die strikt nach der Champagner-Methode hergestellt werden.

Hijos de Alberto Gutierrez
Zudem bewahren noch zwei Betriebe erfreulicherweise die Tradition, indem sie weiterhin Dorados (goldene Weine) produzieren - mit Alkohol verstärkte Weißweine, die aufwendig hergestellt werden, auch wenn die Nachfrage danach eher gering ist.

Der Alkoholgehalt des bereits vergorenen Weins wird mittels Weinalkohol auf mindestens 15%vol. angehoben und unter freiem Himmel einer oxidativen Reife in Glasballons unterzogen.

Anschließend erfolgt eine weitere Reifung in Eichenholzfässern im sogenannten Solera-Verfahren. Dadurch erhält der Wein ähnliche Aromen wie ein Sherry oder Manzanilla. Dorados werden trocken und süß angeboten, beide überzeugen mit nussigen Noten und einer überraschenden Frische.

Jüngste Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

In den letzten Jahren ist der Weinverkauf in Spanien stark rückläufig. Die Verkäufe an Weißweinen aus Rueda sind demgegenüber im In- und Ausland steigend und widersetzen sich damit dem allgemeinen Trend. So entstammen 42% aller spanischen Weißweine aus dieser Region. Das nächst größte Anbaugebiet kommt gerade einmal auf 8 %. Schon allein diese Zahlen verdeutlichen, wie wichtig Rueda für den spanischen Weinmarkt ist.

Ernte

Was für eingefleischte Weinfreunde wie ein Sakrileg klingt, wird von den ansässigen Winzern als Qualitätsmerkmal herausgestellt - die maschinelle Ernte mit dem Vollernter.

Nahezu alle Bodegas haben deutlich mehr als 100 Hektar bestockt, da garantiert nur die maschinelle Ernte in der Nacht, dass die Trauben kühl und schnell in die Weinkeller gelangen, um die höchstmögliche Qualität des Leseguts und der späteren Weine zu sichern.
Nur die alten Reben werden von Hand gelesen - und alte Reben bedeutet in Rueda oftmals 80 bis 110 Jahre. Der nachweislich älteste Verdejo-Rebstock stammt sogar aus dem Jahr 1863 und wird noch immer gelesen!

Herstellung

Alle Weingüter setzen auf die Weinherstellung in temperaturkontrollierten Stahltanks, um die besondere Frische der Weine nicht nur zu erhalten, sondern besonders heraus zu arbeiten.

Manche Bodegas stellen einen kleinen Teil ihres Angebots in Holzfässern her. Einige der von uns verkosteten Weine waren uns geruchlich und geschmacklich zu holzlastig, während die Spanier selbst diesen Stil offenbar deutlich mehr mögen. So konnten uns hingegen nur drei der verkosteten Weine aus dem Barrique geschmacklich überzeugen. Ein klassisches Indiz dafür, dass Geschmack niemals gleich ist.

Das Wichtigste zum Schluss - die Weine!

Als Faustformel lässt sich der Stil der Weißweine aus Rueda allgemein so beschreiben: fruchtig, pikante und angenehme Säure, mineralisch, konsequent lecker und sehr guter Speisenbegleiter. 
Na gut, das klingt arg nach übertriebener Lobhudelei - aber wenn es doch nun mal wahr ist?

- Weinbegleitung zum Milchferkel am ersten Abend im Mesón de Cándido, Segovia -
Wer wie ich bislang glaubte, dass die Weißweine aus Rueda allenfalls preiswert, nicht alterungsfähig und daher innerhalb kürzester Zeit zu trinken seien, sollte seine Meinung schnellstens ändern. Es gibt zweifelsohne auch weiterhin preiswert angebotene Weine aus Massenproduktion, die uns aber überraschenderweise alle zu überzeugen wussten. Ehrliche Weine, aus ehrlicher - wenn auch maschineller - Arbeit.

Die Weinmacher produzieren aber nicht nur Weine, die innerhalb eines Jahres nach Abfüllung zu konsumieren sind. Wir hatten das Vergnügen auch Weine zu verkosten, die über ein sehr gutes Alterungspotenzial verfügen.

So hatten wir im Rahmen einer Vertikalprobe bei Finca Montepedroso die tolle Möglichkeit die Jahrgänge 2015, 2014, 2012, 2011 und 2010 gegeneinander zu vergleichen. Die vorgestellten Weine enthalten 100% Verdejo und zauberten allen Teilnehmer ein strahlendes Lächeln ins Gesicht. Jeder einzelne Jahrgang bietet auf jeden Fall großes Kino für kleines Geld. Kleine Notiz am Rande - niemand anderes als Robert M. Parker gab dem 2014er Jahrgang 91 Punkte.

Die Rückenetiketten

Der Kontrollrat der D.O. Rueda vergibt jedes Jahr nach vorheriger Qualtitätsprüfung Rückenentiketten an die Weinproduzenten, die für uns Weinfreunde ein verlässliches Indiz für Qualität darstellen.

Es gibt insgesamt 11 verschieden gestaltete Rückenetiketten, um Weinfreunden die Unterscheidung der verschiedenen Weintypen zu erleichtern. So trägt jedes Rückenetikett zudem eine Produkt- und Seriennummer, um möglichen Fälschungen vorzubeugen und um die Anzahl der in den Verkauf gehenden Flaschen mit dem Gesamtvolumen der zuvor klassifizierten Weine abgleichen zu können.

Verkostungsnotizen

In den kommenden Wochen werde ich hier einzeln auf die Weine der besuchten Weingüter eingehen, um diesen Artikel nicht unendlich lang werden zu lassen. So kannst Du Dich schon heute auf weitere Artikel zu eingen der vor Ort genossenen Weine machen, die alle ausnahmslos zu empfehlen sind:
Das schöne für uns Weinfreunde ist, dass viele Weingüter über verschiedene Importeure direkt erhältlich sind. Solltest Du direkte Fragen zur Weinreise, den besuchten Weingütern oder den verkosteten Weinen haben, nutze bitte das unten stehende Kontaktformular - ich antworte Dir liebend gern.

Dank

Mein Dank gilt nicht nur dem Kontrollrat der D.O. Rueda und den Winzern, die uns einen wundervollen Einblick in ihre tägliche Arbeit gewährten, sondern auch Jan Koch und Stefano Avarello, die es schafften, uns auf herrlich entspannte Art und Weise während der Reise zu betreuen. So entspannt können nur die Menschen sein, die im Vorfeld hart dafür gearbeitet haben.
*Mitteilung an mich - Pathos wieder ausschalten ...

Last not least

Ja - diese Art des Marketings kostete den Kontrollrat und den angeschlossenen Winzern Geld. Kein Marketing kostet jedoch viel mehr Geld. Ich würde mir wünschen, dass sich so mancher deutsche Weinbauverband ein Beispiel an der Arbeit des Kontrollrates nähme, um im Sinne ihrer Winzer ähnlich professionell im Marketing zu arbeiten.

Beam me up, Scotty ... No! Bring me back to Rueda :)

P.S. Wer mehr über dieses faszinierende Gebiet erfahren mag, dem sei der Artikel des Weinlakais empfohlen.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Was für ein herzerfrischender Bericht, da bekomme ich unmittelbar Lust mal einen Rueda zu probieren. Danke für die tollen Infos!

LG Werner