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Aus der Welt des Weins

Weingut Knauß - traditionell, modern, aufstrebend


Vor einigen Wochen hatte ich ich das Vergnügen sechs ausgesuchte Weine des Weinguts Knauß im Rahmen eines Weinseminars verkosten zu lassen. Passend zur anstehenden ProWein (13. bis 15. März 2016) stelle ich die Eindrücke vor, die seine Weine bei den Teilnehmern des Seminars für Fortgeschrittene und mir hinterließen. Alle Weine wurden blind verkostet und um es vorweg zu nehmen, was Kellermeister Andreas Knauß in die Flaschen gezaubert hat, ist traditionell, modern und eigenständig zugleich. Andreas hat verstanden, dass Tradition nicht das Anbeten der Asche, sondern das Entfachen des Feuers bedeutet. 

Das gilt zumindest für seine Weine. Die Etiketten und die Website sollten auf jeden Fall dringend überarbeitet werden, um die Qualität seiner Weine zu spiegeln. Denn weder auf den Rückenetiketten der Flaschen, noch auf der Website erfährt der interessierte Weinfreund mehr über die Weine. Statt verkaufsfördernder Befriedigung der Neugier bleiben meines Erachten zu viele Fragen offen. Sag mal Andreas, ist das gewollt?



Der Entdeckerwein

Grauweiße Reben 2014 Kennbuchstabe "S"

Viel mehr ist dem Etikett nicht zu entnehmen. Auch das direkte Umdrehen der Flasche, um mehr auf dem Rückenetikett zu erfahren, führt zu keinen weiteren Vorabinformationen. Also Flasche auf und ab in die Gläser der Teilnehmer. Diese Cuvée aus Grau- und Weißburgunder ist unseres Erachtens irgendwie nicht richtig grau - noch richtig weiß. Mit Geduld und Spucke lassen sich Steinbobst, Zitrusfrüchte sowie Aromen erschnuppern, die an Gemüse erinnern. Auch im Mund ist ein wenig "Entdeckungsarbeit" angesagt. Auf der einen Seite wirkt der Wein in seiner Aromenausprägung recht filigran und weist daneben einen recht voluminösen Körper auf, so dass sich die Frage stellt: Wo will der Wein hin?
Daher kamen wir zu dem Schluss, dass dieser Wein nichts für Weinneulinge, sondern eher etwas für passionierte Weinentdecker ist, um das ganze Potential des Weins zu erkunden. Sorry Andreas, das war für uns der schwächste Wein in der Runde.


Der jugendlich unbekümmerte Filou

Lemberger 2013 - Kennbuchstabe "S"

Mit seinen klaren und reinen Aromen von Kirschen und roten Beeren sowie Anklängen von Gewürzen - die auch die weniger erfahrenen Teilnehmer des Seminars ohne Mühe entdecken konnten - macht er direkt neugierig auf den ersten Schluck. Im Mund ist dieser Lemberger von sanfter und fast frischer Art. Mit jedem Schluck kann man sich direkt in die Situation eines lauen Sommerabends auf der Terrasse hinein träumen. Durch seine Anklänge von Kräutern und Holzaromen assoziierten einige der Teilnehmer gegrilltes Gemüse als idealen Begleiter dieses Filous.


Nichts für geschmackskonditionierte Gaumen

Riesling 2013 - Kennbuchstabe "R"

Dieser Riesling spaltete die Meinungen der Seminarteilnehmer. Das Gros der Teilnehmer war begeistert und die wenigen anderen waren überfordert. Sie konnten mit dem Stil dieses Weins so rein gar nichts anfangen.
Diese unterschiedliche Beurteilung des Weins liegt meines Erachtens in der besonderen Machart dieses Rieslings begründet. Grundlage für diesen Riesling bilden alte Reben, die aufgrund einer zusätzlichen bewussten Ertragsreduktion zu einem intensiven und für manche ungewohnten Aromen- und Geschmackserlebnis führen.
Statt einer tausendfach bekannten Einheitsfruchtigkeit erwartet den Weinfreund ein Riesling, der mit eher ungewohnten und zugleich verführerischen Aromen von Nüssen, Speck und Holz aufwartet.
Im Mund zeigt der Wein seine opulente Eleganz, die mit ihrer lebendigen Säure und deutlichen Mineralik jeden interessierten Weinfreund in den Bann zu ziehen weiß, der über den Tellerrand der sattsam bekantnen Einheitsrieslinge hinaus schaut.


Erfahrener Gentleman mit Charme

Lemberger 2011 - Kennbuchstabe "R"

Solch ein Wohlgenuss ist wirklich Lemberger? Alle Teilnehmer kannten Lemberger bislang nur aus dem Supermarkt, und hatten nicht erwartet, dass diese Rebsorte derartig dichte und komplexe Weine erbringen kann.
Gemeinsam erschnupperten wir fruchtige Aromen wie Kirsche, Brombeere, Himbeere sowie Vanille und Holz. Den Mund kleidet der Wein mit feinem Schmelz aus, die Gerbstoffe und die milde Säure verleihen im ein schönes Rückgrat. Neben den zuvor gerochenen Aromen kommen Noten von Schokolade sowie Kräuter und Gewürze hinzu, die wir nicht genauer bestimmen konnten.
Aber müssten wir es exakt erschmecken können? Nein, denn so konnte jeder Teilnehmer in eigenen Assoziationen schwelgen. Das zeigt wie vielschichtig dieser Rotwein ist. Demgegenüber war der Abgang einigen etwas zu kurz, sie hätten den Wein gern länger im Mund geschmeckt.


La Grand Dame

Sonnenberg - Kennbuchstabe "R"

Was haben wir da im Glas, war die Frage der Teilnehmer? Einige glaubten einen edlen Weißwein aus dem Burgund oder von der Rhone im Glas zu haben. Deutlicher Duft von Holz, Steinobst, Kräuter und Mineralien. Jeder Schluck offenbarte neue Geschmackseindrücke und verzückte alle Teilnehmer.
Die wunderbar trockene und fruchtige Aromatik ist in feinem Schmelz eingebettet. Er endet mit einem langen Nachgeschmack im Mund, der Assoziationen von Mineralien und Trockenblumen hervor ruft. Einen Wein dieser Machart hatte niemand aus Deutschland erwartet; er fesselte alle ans Glas und führte zu Wehmut als die Flasche geleert war. So stellen wir uns eine große Dame vor, die aus der Tradition kommend federleicht in die Moderne hüpft.


Gipfelstürmendes Understatement

Altenberg 2012 - Kennbuchstabe "R"

Den krönenden Abschluss der sechs verkosteten Weine, bildete der schlicht Altenberg getaufte Wein. Welch ein Glück, dass ich ihn zufälligerweise ans Ende der Reise durch die Reise der Weine des Weinguts Knauß gesetzt hatte. Als hätte ich es intuitiv gewusst.
Die Cuvée aus Lemberger, Merlot und Zweigelt betört die Nase zunächst intensiv mit Aromen, die an eine verrauchte Werkstatt erinnern: Holz, Tabak sowie Gewürze. Nach Schwenken des Glases kamen fruchtige Noten zum Vorschein: Kirschen, dunkle Beeren und Gin (Wacholder). Der intensive Duft schreit danach, den Wein endlich zu probieren. Mit einem Wort: WOW! Unglaublich dicht, komplex und mundfüllend - das ruft Assoziationen an hochwertige Weine aus Frankreich und/oder Italien hervor. Die Noten von Tabak und Holz setzen sich primär im Mund fort und werden nach einigem Warten im Mund von Frucht, Kräutern und Meersalz ergänzt. Sein langer Abgang macht eine Menge Spaß und lässt diesen wunderbaren Wein nicht so schnell vergessen.

Lieber Andreas, bitte halte den eingeschlagenen Weg bei. Deine Weine sind alles andere als Mainstream und zeigen, dass Du bereit bist, Deine eigenen Ideen konsequent umzusetzen.

P.S. Die Kennbuchstaben "S" und "R" haben natürlich eine Bedeutung. Das S steht für Selektionsweine und das R für Reserveweine.








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