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Aus der Welt des Weins

Veganer Wein, auch etwas für Fleischfreunde?

Das Weingut Jakob Neumer aus Rheinhessen sandte mir drei vegane Weine zur Verkostung, und ich hatte die Freude, diese mit guten Weinfreunden ausgiebig zu testen. Allerdings stellte sich mir direkt die Frage: Darf ich als Freund der Currywurst vegane Weine überhaupt genießen - und was zum Teufel macht einen Wein zu einem veganen Wein? Zum ersten Teil der Frage kann ich nur sagen, mir ist es offen gestanden egal, ob ein Wein mit oder ohne tierische Hilfsmittel hergestellt wird. Einzig und allein die Qualtität des Weins ist für mich entscheidend.

Tierische Hilfsmittel? Für den zweiten Teilaspekt der Frage möchte ich ein klein wenig weiter ausholen. Prinzipiell ist Wein ein rein pflanzliches Produkt und sollte somit per se für alle Vegetarier und Veganer zu genießen sein. Jedoch nutzen viele Winzer zur Schönung und Klärung ihrer Weine tierische Hilfsprodukte. So wird z.B. Albumin (Eiklar) zur Schönung/Klärung von Rotweinen genutzt; das Albumin bindet dabei die im Wein gelösten Gerbstoffe und macht diesen geschmacklich etwas milder. Weißweine werden hingegen in aller Regel mit der Hausenblase (Schwimmblase vom Stör oder Wels) geschönt, indem aus gerbstoffarmen Weißweinen kolloidal gelöste trübende Stoffe (meist Eiweiß) entfernt werden. Somit ist Wein für Veganer in aller Regel eher ein No Go. Aber es gibt auch Winzer, die ausschließlich mit pflanzlichen Hilfsmitteln arbeigen, wie natürliche Mienralerde, Bentonit (Tonerde) oder Kieselsäure, und so ohne jegliche tierische Hilfsmittel auskommen. Diese Weine werden dann als vegan oder veganfriendly bezeichnet. Bis hier hin alles klar?
Die Weine vom Weingut Jakob Neumer werden üblicherweise mit Bentonit geschönt/geklärt und vermerken ihre vegane auch konsequenterweise auf dem Etikett. Genug der Einleitung: ran an die Buletten. (Ups, das Wort Buletten ist bei Veganern wohl ebenfalls ein No Go *zwinker.)

Der erste Wein im Glas war ein trockener 2012er Riesling, der als nahezu staubtrocken (0,7 g/l Restzucker) bezeichnet werden kann. Dieses Attribut ist nicht negativ gemeint, sondern steht diesem Wein gut zu Gesicht, auch wenn ich beim Riesling eher ein Freund der höheren Restzuckerfraktion bin. Beim ersten Riechen empfanden ein Freund, der den Wein mit mir verkostete, und ich den Wein eher nichtssagend. Das lag aber in erster Linie daran, dass der Wein zu kühl eingeschenkt wurde. Aber lieber zu kühl als zu warm, denn so hatten wir das Vergnügen, den Wein mit steigender Temperatur über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Nach und nach offenbarte der Wein Aromen von Aprikose und Zitrusfrüchten. Diese fruchtigen Aromen wurden durch deutlich wahrnehmbare Aromen ergänzt. Im Mund wusste der Wein mit seiner lebendigen Säure und mittlerem Mundgefühl zu überzeugen. Insgesamt ein guter Riesling, der für mich gerne noch ein wenig mehr Restzucker haben dürfte.

Danach öffneten wir den trockenen 2012 Weißburgunder. Auch dieser Wein war zunächst zu kühl (ich muss wohl meinen Kühlschrank nachjustieren), aber wie beim Riesling konnten wir die Entwicklung des Weins - mit steigender Temperatur - über einen längeren Zeitraum beobachten. Je länger der Wein im Glas war, desto mehr Aromen strömten aus dem Glas: kandierte und exotische Früchte. Obwohl dieser Wein noch trockener (0,4 g/l Restzucker) als der Riesling ist, erscheint er im Mund deutlich süßer als der Riesling. Dieser Wein war unser Favorit, und so dürfte es niemanden verwundern, dass wir diese Flasche nach der "professionellen" Verkostung mit Vergnügen restlos leerten. Für meinen Freund und mich ist dieser Wein defintiv eine Kaufempfehlung wert.

Last not least verkosteten wir den trockenen 2012er Spätburgunder des veganen Trios. Der aufmerksame Leser ahnt sicher schon, was jetzt kommt ... Auch dieser Wein war anfangs deutlich zu kühl temperiert. Aber anders als bei den beiden Weißweinen entwickelte der Wein seine Aromen mit steigender Trinktemperatur nur sehr verhalten. Enttäuschend? Nein, so weit möchte ich hier nicht gehen, schließlich sind alle Geschmacksempfindungen stets subjektiver Natur. Der Wein ist halt eher etwas für Freunde, der filigranen Rotweine. Wer leicht erdige, holzige und florale Spätburgunder mag, wird seine Freude daran haben. Meinem Freund und mir lag dieser Wein eher weniger.


Die drei veganen Weine sind direkt beim Weingut als Probierpaket erhältlich - und jeder, der sich ein eigenes Urteil über vegane Weine bilden möchte, sollte mit dem Kauf dieser Wein liebäugeln. 22,00 Euro für dieses Probierpaket sind für mich jedenfalls ein sehr faires Angebot!

Mit einem veganen Wiehern - Huub

Warum ich wiehere? Nun, Schraubverschluss und Etikett des Weinguts ziert ein Pferd - und ich möchte fast wetten, dass hartgesottene Veganer, mit dieser tierischen Zier nicht so ganz einverstanden sein werden ...

Kommentare:

EtikettenWissen hat gesagt…

Interessanter Bericht, vor allem auch die genaue Information, wie der Wein vegan verarbeitet wird. Aber wenn schon auf dem Etikett vermerkt wird, dass er vegan ist, dann muss sich eigentlich gleich die Frage anschließen: Ist das Etikett auch vegan? Da gibt es für Veganer auch noch Stolpersteine...
http://www.etikettenwissen.de/wiki/Vegane_Etiketten

MICHAEL hat gesagt…

Ich begrüße es sehr das diese gesondert Ausgezeichnet werden.

Anja hat gesagt…

Hallo, ich hoffe auch, daß bald mehr Weine als vegan deklariert werden können. Bin seit zwei Jahren Veganerin. Ab und an bestelle ich Weine auch im Internet bei http://www.delinat.com und http://www.best-of-biowine.de, beide Händler bietet eine ganze Reihe veganer Weine an und haben mich auch schon gut beraten. Der Anteil an Veganern wächst ja aktuell stetig…da sollten sich die Händler und Gastronomen einfach mehr drauf einstellen.

Torsten hat gesagt…

Liebe Anja, das Thema Vegan spielt tatsächlich eine immer größer werdende Rolle. Ein Wein ist nicht vegan wenn mit Behandlungsmitteln gearbeitet wird, welche mit tierischen Inhaltstoffen behaftet sind. das passiert vor allem bei der Schönung und Klärung der Weine, wo das Eiweiß oft als ein probates Mittel geschätzt wird. Es gibt aber auch eine Menge an anderer Bahndlungsmittel ohne tierische Inhaltstoffe und auf diese setzen ein Großteil der Winzer. Sie daklarieren es aber vielleicht nicht immer auf dem Etikett. Ein Anruf beim Winzer lohnt sich, und Du wirst überrascht sein, wieviele Winzer vegane Weine machen.