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Aus der Welt des Weins

Super Weinservice von Kaufland?

Wer auch immer dieses Etikett geschrieben hat, hatte Fantasie, mich erinnerte der 2011er weniger an Minze als vielmehr an gärenden Komposthaufen.
Vertikalproben gehören mit zum Spannendsten und Genussvollsten für nahezu jeden Weinfreund. Dazu gehört es sich – wie der Name schon sagt - dass sich diejenigen, die den Wein probieren wollen, in die Vertikale begeben: rechtwinklig zur Erdoberfläche … Das ist natürlich Quatsch. Das Einzige, das in die Vertikale und darüber hinaus gebracht werden sollte, ist natürlich die Flaschen, ansonsten wird es mit dem Ausschenken schwierig. 

Als Vertikalproben gelten Weinproben, bei denen ausschließlich oder überwiegend unterschiedliche Jahrgänge desselben Weinguts oder derselben Lage miteinander verkostet und verglichen werden. Dadurch lassen sich hervorragend die Leistungsfähigkeit eines Weinguts, einer Lage oder die Qualitätsbemühungen des Winzers eruieren. Insbesondere kann so heraus gefunden werden, welche Jahrgänge eines Weins bzw. einer Lage besonders gut gelungen sind. Natürlich ist dabei stets das jeweilige Wetter der einzelnen Jahrgänge in die Bewertung mit einfließen zu lassen. Die Reihenfolge der Jahrgänge muss dabei nicht strikt vorgeben oder chronologisch auf- bzw. absteigend sein. Idealerweise sollten stets zwei Gläser unterschiedlichen Jahrgangs miteinander verglichen werden, um die Unterschiede besser erfassen und bewerten zu können. Mit Rücksicht auf die jeweiligen Wetterbedingungen der einzelnen Jahrgänge, sollten Weine mit möglichst gleichwertigen Voraussetzungen verglichen werden, um diese besser bewerten zu können. 


So weit zur Theorie. Was ich mich nun allerdings frage, ist, warum die Supermarktkette Kaufland fünf Jahrgänge (2006, 2007, 2009, 2010, 2011) des nicht gerade besonders guten Rotweins Calvet Conversation Bordeaux in einer seiner Filialen in Sachsen vorhält. Hat die Marktleitung etwa mitgedacht und möchte den Kunden die Möglichkeit einer Vertikalprobe für kleines Geld bieten? Oder warum konnte ich diese Weine dort finden? Interessanterweise wurden die Weine so präsentiert, dass die älteren Jahrgänge vor den jüngeren Jahrgängen standen. Jetzt mal ganz ehrlich: die Weine sind unter aller Granate und ich möchte hier nicht so weit denken, dass man diese alten Schätzchen ganz bewusst in die erste Reihe gestellt hat. Ganz nach dem Motto: der einfache Supermarktweinkäufer glaubt doch eh, dass Weine mit dem Alter immer besser werden; sollen die uns doch den Quatsch erst einmal abkaufen … 

By the way: Von der vermeintlich besseren Variante Calvet Reserve Bordeax waren „nur“ drei Jahrgänge (2006, 2009 und 2010) im Regal zu finden. Wäre ich zynisch, würde ich nun sagen: Schlechter Service für den geneigten Vertikalprobenfreund unter den Supermarktweinkäufern.







Kommentare:

Carmen hat gesagt…

Ich denke, es geht schlicht ganz nach dem Motto:

Sortieren wir die Weine doch einfach so, wie wir auch die übrigen Lebensmittel hintereinander reihen - das am ehesten ablaufende MHD kommt nach vorn!

Ich befürchte, eine tiefsinnigere Bedeutung des Angebotes ist nicht zu finden.

Ebenso auch nicht in der Tatsache, dass es überhaupt mehrere Jahrgänge gibt - an den Posten war wohl schlicht günstig heran zu kommen.

:-)

Christoph hat gesagt…

Es ist doch toll, wenn der Einzelhandel uns die Chance gibt, verschiedene Jahrgänge zu verkosten. Unter den Lagerbedingungen eines grell beleuchteten Supermarktregals bin ich mir sicher, dass die Qualität der Weine in den letzten Jahren kaum Schaden genommen hat ;-)