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Aus der Welt des Weins

Die 100 besten Weine aus dem Supermarkt!

WOW - die BILD-Zeitung kennt in der Leipzigausgabe vom 1. September 2012 die 100 besten Weine aus dem Supermarkt! Ich ahnte es ja schon immer, diese Zeitung hat den absoluten Durchblick. Oder? Denn was sagt dieser Satz eigentlich aus und viel wichtiger - wem nützt diese Aussage? Den passionierten Weinfreunden, den Weinfanatikern, den Winzern, den großen Genossenschaften, dem Handel, den durchschnittlichen Bild-Lesern, Schnäppchenjägern oder wem ...? 

Wenn ich die Aussage vom reinen Wortlaut her betrachte, drückt sie lediglich aus, dass die 100 besten Weine aus dem Supermarkt vorgestellt werden. Nicht weniger - aber auch nicht mehr! Was diese Weine dazu qualifizierte oder ob diese Weine überhaupt lecker schmecken, lässt sich aus dieser Aussage absolut nicht ableiten. Aber so ein Superlativ "die 100 besten Weine", der macht natürlich erst einmal eine Menge her. Und so manch einer fühlt sich dadurch schon direkt bestätigt, klopft sich siegessicher auf die Brust und tönt aus voller Überzeugung, wenn er dem Weinfachhandel die kalte Schulter zeigt: Ich wusste es ja schon immer, die besten Weine gibt es für kleines Geld im Supermarkt. Somit wäre eine Antwortmöglichkeit schon geklärt, dem Fachhandel nützt diese Aussage in der BILD eher weniger ...

Demgegenüber komme ich nicht umhin, dass ich die Aussage gleich mit dem Sinnspruch verbinde, dass der Einäugige unter den Blinden der König sei. Diesen Sinnspruch auf die 100 besten Supermarktweine transferiert, bedeutet dann, dass die 100 Weine vorgestellt wurden, die lediglich ein wenig besser sind, als der gesamte Rest der im Supermarkt angebotenen Weine. Wirklich gut und lecker müssen sie damit aber noch lange nicht sein! 


Weiter wird auf der Titelseite geschrieben: Guter Wein, Sekt und Champagner müssen nicht teuer sein. Bei Discountern gibt es echte Perlen in den Regalen, oft für weniger als 2 Euro! (Wäre ich ein Korinthenkacker, würde ich nun fragen, ob es sich um echte oder um Zuchtperlen handelt, aber gut, dass ich keine Korinthen kacke.) Als ich diese Aussage las, kam mir direkt ein Artikel aus der Fachzeitschrift Weinwirtschaft in den Sinn, denn die titelte einen Bericht über Supermarktweine (Heft 7/12 vom 30. März 2012) vollkommen anders: Es perlt der Schrott 

Wer hat denn nun Recht? Die BILD-Zeitung oder das Fachmagazin Weinwirtschaft? Diese Frage lasse ich einfach einmal unbeantwortet :-)

Da fällt mir ein, wie kommt die BILD eigentlich darauf, dass sie die 100 besten Weine kenne? Auf Seite 15 der Ausgabe kommt ein wenig Licht ins Dunkel. Cordula Eich (Autorin des Buchs Super Schoppen Shopper) hat exklusiv für BILD aus über 1700 verkosteten Weinen die 100 besten Weine zusammengestellt. Warum diese Weine allerdings die besten sein sollen, lässt sich aber weiterhin im ganzen Artikel nicht finden. Und was qualifizierte sie dazu, welche Kriterien wurden zugrunde gelegt? Stattdessen wird lediglich angeführt, dass von den 1700 verkosteten Weinen einige sogar im Labor untersucht wurden. Das Wort Labor klingt erst einmal seriös und soll wahrscheinlich wie der Superlativ „Die 100 besten Weine“ nochmals Eindruck schinden. Nur wird mit keinem weiteren Wort spezifiziert, was im Labor geschah. Was wurde getestet und warum wurde getestet? Wollte das Verkostungsteam vielleicht nur sicher gehen, dass sie nicht Gefahr laufen, allzu großen Müll zu trinken? Du siehst, der Begriff Labor lässt sich in den verschiedensten Richtungen interpretieren. 



Und damit schließt sich für mich der Kreis und ich erhalte die Antwort auf meine Eingangsfrage, wem diese Titelaussage nützt: Niemandem. Außer leeren Worthülsen ist dem gesamten Artikel nicht zu entnehmen. Böse Zungen könnten nun behaupten, der gesamte Artikel sei nicht mehr, als kühl kalkuliertes und demagogisch geschickt eingesetztes Marketinggeschrei: sei es für die BILD, die Weine im Supermarkt oder für die neue Auflage des Super Schoppen Shopper … 

Dennoch freue ich mich ich auf die neue Ausgabe des Super Schoppen Shopper und hoffe, dass ich wenigstens dort von Cordula erfahre, warum die Weine im Labor untersucht wurden und warum die 100 vorgestellten Weine die besten sein sollen.

Du kennst den Super Schoppen Shopper noch nicht? Folge einfach diesem Link.

Vineuze Groetjes - Huub

P.S. Wann wird eigentlich einmal diese Kluft zwischen den sogenannten passionierten Weinfreunden und den ach-so-einfachen Supermarktweintrinkern geschlossen?





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