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Aus der Welt des Weins

Weintrinker als Laborratten der Chemieindustrie (2)

Eines gleich vorweg: Es rumort in mir! Am Liebsten möchte ich direkt eine Art: Occupy Wine Bewegung initiieren! Wenn Du meinen Artikel zu Ende gelesen hast, wirst Du verstehen warum. Jedenfalls werde ich bei einem Glas Wein in Ruhe darüber nachdenken …

In dem am 20. Januar 2012 vorgestellten Video wird sozusagen hinter die Flaschen oder ganz tief hinein geschaut. Es wird aufgedeckt, welche Zusätze in Weinen zu finden sind, die uns die Weinproduzenten lieber vorenthalten möchten. Im weiteren Verlauf fasse ich die Kernaussagen in kurzen, teils kommentierten Sätzen zusammen. Ich denke, das wird so oder so reichen, um sich ein eigenes Bild zu machen …

Manche Weine von großen Weinproduzenten sind nicht viel besser als ein künstliches  Mischgetränk wie Cola. So sind in Weinen: künstliche Hefen, Enzyme, Zucker- und Säurezusätze sowie zugesetzte Gerbstoffe, Extrakte und weitere Additive zu finden, die den gewünschten Weingeschmack erzeugen.
Ein Grund für den Einsatz der Beimengungen liegt darin, dass es keine einheitliche Deklarierungspflicht für die Inhaltsstoffe auf den Etiketten gibt. Ironischerweise führen manche Produzenten an, dass Weinetiketten zu klein seien, um alle Inhaltsstoffe aufzuführen. Wer solche Aussagen von sich gibt, weiß offenbar, wie lang die Liste der unnatürlichen Zusätze ist. Solange die EU keine Deklarationspflicht wie bei Lebensmitteln vorschreibt, wird profit-orientierten Produzenten (oder sollte ich schreiben: Chemikern?) Tür und Tor geöffnet bleiben. Ein Produzent gab gegenüber den Reportern ehrlich zu, dass eine detaillierte Angabe der Inhaltsstoffe auf dessen Weinetikett wirtschaftlichem Selbstmord gleich käme. Ob wir Verbraucher mit seinem Getränk eventuell biologischen Selbstmord begehen, scheint wie so oft hinter wirtschaftlichen Interessen zurück zu stehen.

Große Produzenten versuchen, in Imagekampagnen zu suggerieren bzw. uns Verbraucher/Weintrinker davon zu überzeugen, dass die von ihnen produzierten Weine ein rein natürliches Agrarprodukt wären. Auf Anfrage gaben die gleichen Produzenten scheinbar völlig offen an, dass sie ihren Weinen einige Stoffe zusetzen, um diese zu filtern, zu schönen oder im Verlauf der Gärung zu unterstützen. So erlaubt die EU den Produzenten den Einsatz von über 50 Zusätzen zur Konservierung, Aromatisierung, Stabilisierung, Anreicherung und „Impfung“ des Weins. Kurioserweise tragen all diese Zusätze in allen anderen Bereichen der Lebensmittelindustrie E-Nummern und sind deklarierungspflichtig. Beim Wein wird darauf verzichtet. Angegeben werden müssen beim Wein nur der Alkoholgehalt sowie der Zusatz von Schwefel.

Ein französischer Bio-Winzer gab an, dass das ehemalige französische Qualitätssiegel A.O.C (mit seinen strikten Vorgaben) nicht mehr das Papier wert sei, auf dem es abgedruckt sei. Die Böden werden kontrolliert - aber was im Keller passiert, bleibt im Dunkeln. So gibt es spezielle Hefen, die das Geschmacks- und Aromenbild von Rebsorten nicht nur besonders gut herausarbeiten sondern oftmals nur vorgaukeln. Die Trauben können noch so seelenlos sein – der Kellermeister hat die Mittel, um daraus etwas zu zaubern.

Es wäre nun zu einfach, zu sagen, dass nur die günstigsten Weine aus dem Supermarkt mit unnatürlichen Zusätzen wie aus dem Chemiebaukasten produziert werden. Allerdings ist der Zusammenhang zwischen Aufwand und späterem Verkaufspreis nicht weg zu diskutieren. Eine hohe Qualitätspolitik mit allen natürlichen Risiken (Klima, Wetter, Schädlingen etc.) hat nun einmal ihren Preis. Die Natur ist nicht berechenbar und so müssten wir damit leben, dass Weine nicht in jedem Jahr perfekt ausfallen. Wer auf das „Pimpen“ seiner Weine in schlechten Jahren verzichtet, geht automatisch ein hohes Risiko ein. Langweilig oder gar schlecht schmeckende Weine lassen sich aufgrund der globalen Weinwelt nicht verkaufen. Da ist die Versuchung zum Griff in die Trickkiste schnell gegeben. Das gilt für Massenproduzenten wie für kleine Winzer gleichermaßen. Wer nun glaubt, dass Bioweine eine Alternative wären, ist auf dem Holzweg. Denn was im Keller geschieht, unterliegt oftmals keinen Kontrollen der jeweiligen Bio-Verordnungen.

Auch der König der Weine – Champagner - ist alles andere als ein sauberes Produkt. So konnten in manchen Champagnern Pestizide nachgewiesen werden, die dort eigentlich nichts zu suchen haben. Und auch die Rebflächen in der Champagne ähneln bisweilen eher einer Müllhalde, so sind an einigen Stellen alte Rasierklingen sowie Medizinverpackungen und andere „tolle“ Dinge zu finden. Aus meiner Sicht stellt sich dann die Frage: Ist das dann das besondere Terroir im späteren Produkt?

ABER: Natürlich gibt es auch Winzer und Weinproduzenten, die „sauber“ arbeiten und erstklassige, natürliche Weine abfüllen. Manche sind sogar so mutig und schreiben alle Inhaltsstoffe auf das Etikett. Je weniger es sind, desto besser. Mir gefällt dieser Mut zur Transparenz.
Allerdings frage ich mich gleichzeitig, ob ich einen Wein kaufen würde, der z. B. Amaranth enthält; in der EU für Aperitifweine als Lebensmittelfarbe E123 zugelassenent. In den USA steht diese Substanz unter dem Verdacht Allergien, Asthma oder auch Krebs auslösen zu können. Du siehst, es ist ein schwieriges Thema. Generell bin ich jedenfalls dafür, dass wir als Kunden und Weintrinker stets wissen sollten, was uns da so gut schmeckt. Ob es die wahren, natürlichen Aromen des Weins oder gar künstliche Zusätze sind. Daher plädiere ich für die Kennzeichnungspflicht aller Inhaltsstoffe auf dem Etikett! Gleichzeitig weiß ich, dass mein Plädoyer für die Deklarationspflicht nicht mehr als ein Furz im Weinglas ist – gegen die Lobbyisten der Weinindustrie bin ich allein machtlos. 



Daher suche ich Mitgründer für eine Occupy Wine Bewegung -  transparente Weine für vollen, natürlichen Genuss! Bist Du dabei?

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