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Aus der Welt des Weins

Tacheles: Der SuperSchoppenShopper

Triple Sec ist ein Orangen- oder Bitterorangenlikör, Triple X kennen wir als Actionhelden aus dem Kino aber weißt Du, wofür Triple S stehen könnte? Dahinter verbirgt sich der Zungenbrecher: SuperSchoppenShopper. Die dritte Auflage dieses Einkaufsführers für Supermarktweine, hat mit den beiden anderen „Triples“ so manches gemein, darauf komme ich in meinem Fazit gerne nochmals zu sprechen. 

Derzeit wird die neue Auflage geradezu mustergültig auf allen Marketing- und PR-Kanälen beworben und es macht mir Spaß zu verfolgen, wie das Buch am Markt platziert und mit möglichst vielen positiven Kommentaren zur Verkaufsförderung versehen wird. 
Im Rahmen eines flankierenden Facebook-Gewinnspiels gewann ich ein Exemplar des Buchs und sagte direkt zu, dass ich es rezensieren werde. Dabei war es beiden Seiten wichtig, dass meine Buchkritik nicht wie gekauft aussehen soll, zumal ich bei einem weiteren Gewinnspiel des Verlags erneut den Hauptgewinn abräumte. Schauen wir einmal, ob meine subjektiven Worte neutral genug klingen werden. 

Das Buch versteht sich als Erste Hilfe für den Weinkauf und im Fokus stehen die jeweiligen Standardsortimente der Supermärkte und Discounter: Aldi Nord, Aldi Süd, Edeka, Kaufland, LIDL, Netto, Norma, Penny, REWE und Rossmann. Auf meine Nachfrage nach der Zielgruppe für dieses Buch, gab die Autorin - die unter dem Pseudonym Cordula Eich (ob es dabei nur eine einzelne Person oder mehrere Personen sind, wird in der Weinwelt unterschiedlich angegeben) dieses Buch schreibt - all diejenigen an, die ihren Wein im Supermarkt kaufen und Humor haben. Darunter zählt sie einfache Ottonormalverbraucher, vom Studenten über die Hausfrau bis hin zu Rentnern. 

Auf 335 Seiten (271 Seiten Bewertungen / 60 Seiten Allgemeines) werden die verkosteten und bewerteten Weine vorgestellt. Das alles ohne Bilder, was ich sehr bedaure, da ich zu den visuell orientierten Menschen gehöre. Irgendwie sehen die Seiten wie 1:1 Kopien von Excel-Tabellen aus, und vielleicht sind die Seiten auch so entstanden. Mich spricht die Optik jedenfalls nicht an. 
Wenn hingegen der Inhalt stimmt, lässt sich über die Optik leicht hinweg sehen. Und da bin ich an einen Punkt angelangt, bei dem ich nicht so richtig weiß, wie ich den Inhalt des Buchs einordnen soll. Zu 1.573 Weinen finden sich mal mehr und mal weniger hilfreiche Informationen. Schon beim ersten Blick auf das Verhältnis von 271 Bewertungsseiten zu 1.573 Weinen leuchtet direkt ein, dass in diesem Buch keine wirklich fundierten Weinkritiken zu finden sein werden. 
Inhaltlich schwankt die Autorin leider zudem zwischen konkreten Angaben zum Wein und mehr oder weniger humorvollen Umschreibungen. Ihre Idee, einen Vergleich von Weinbeschreibungen mit Urlaubserlebnissen zu ziehen, finde ich prinzipiell großartig. Allerdings bleibt die Autorin diesem Prinzip nicht treu, so dass mich manche Kommentare mit einem großen Fragezeichen über meinem Kopf zurückließen. 

Um das Buch wirklich bewerten zu können, ist es natürlich unumgänglich die Verkostungsnotizen der Autorin zu überprüfen. Also ab zum Discounter, Buch raus, vor die Regale stellen und suchen. Ja, suchen! Mir wurde schnell klar, dass nicht jede Filiale die gleichen Weine vorrätig hat. Bei Netto fand ich zum Beispiel nur fünf der bewerteten Weine im Regal – das ist kein wirklich prickelndes Ergebnis – und zu allem Überfluss waren es nur Weine, die bescheidene Kritiken erhielten. 
Woran liegt das? Die Autorin selbst sagt, dass sie von den Zentralen der jeweiligen Unternehmen Referenzläden genannt bekam, die ein großes und gepflegtes Sortiment führen. Das allein zeigt bereits, dass von Unternehmensseite gewusst wird, dass nicht alle Weine in allen Filialen vorhanden sind. Zudem gibt es den einen oder anderen Wein zwar vom gleichen Hersteller, allerdings ist der Anbauort nicht immer derselbe. Ziemlich verwirrend und diese Verwirrung trägt nicht wirklich dazu bei, dass das Buch ein verlässlicher Einkaufsführer sein kann, wenn nicht alle Weine deutschlandweit zu finden sind. Für dieses Problem kann dieses Buch natürlich selbst nichts, aber damit ist es dennoch leider kein verlässlicher Einkaufsführer.

Das nenne ich einen schnellen und professionellen Umgang mit Kritik - bravo Cordula!
Zur besseren Sicht - einfach auf das Bild klicken.
Bevor ich es vergesse: Ich fand bei anderen Märkten auch Weine, die im Buch empfohlen werden. Da ich nicht Gefahr laufen wollte, mir irgendein Gesöff in den Einkaufswagen zu legen, konzentrierte ich mich auf die Empfehlungen im Buch. Was soll ich zu diesen sagen? 
Ich umschreibe es einmal diplomatisch, Geschmäcker sind individuell und somit verschieden. Die Weine die ich kaufte, hätten von mir niemals eine Kaufempfehlung bekommen. Das ist doch diplomatisch ausgedrückt, oder? 

Auch wenn ich kein echter Freund dieses Buchs bin, wird es sich zweifelsohne gut verkaufen, weil viele Menschen glauben, damit einen echten Schnäppchenführer in der Hand zu halten. Zudem könnte dieses Buch als Werk der Rebellion gegen alle vermeintlichen Weinkenner gesehen werden, die stets propagieren, dass gute Weine im Supermarkt nicht zu erhalten seien: „Schau her, ich habe Recht wenn ich Weine im Supermarkt kaufe, denn die sind (mit diesem Buch) bewiesener- und anerkanntermaßen besser, als alle anderen uns weismachen wollen...“ 
Ich bin mir sicher, dass dieses Argument in so manchem Gespräch zwischen Supermarkt- und Weinfachhandelskäufern fallen wird. Aber wie beim Wein entscheidet einzig und allein der individuelle Geschmack, so dass ich abschließend den Vergleich vom Beginn meiner Rezension aufgreife: 

Triple S erscheint mir in Teilen genauso bitter wie ein Triple Sec und kommt gelegentlich so rabiat wie Triple X daher. Wer bei Triple S Discovery Chanel erwartet, wird enttäuscht sein. Stattdessen gibt es Popkornkino – vereinzelt amüsant, unterhaltsam, selten informativ und gelegentlich schnell vergessen.


Kommentare:

Huub Dykhuizen hat gesagt…

Meine Rezension zum SuperSchoppenShopper wirft hohe Wellen und es ist gut, dass darüber diskutiert wird. Für alle Bedenkenträger - Cordula und ich stehen im Kontakt und diskutieren auf freundschaftlicher Basis ebenfalls. Und sie weiß professionell mit Kritik umzugehen, und verlinkt meine Rezension auf Ihrer eigenen Homepage: www.superschoppen.com. Andere hingegen betreiben Schmähkritik, denen ich gerne Folgendes entgegen setze:

Jeder Mensch sollte selbst bestimmen können und dürfen, was er unter "Weinkenner" versteht? Was heißt Weinkenner im wortwörtlichen Sinn? Wein kennen - nicht mehr und nicht weniger. Ganz ehrlich, ein wenig mehr Bescheidenheit stände manchem professionellen Weinkenner gut zu Gesicht. Zu viel Weinwissen kann manchmal ein echter Hemmschuh sein. Nicht umsonst wenden sich viele Menschen von Weinkennern ab, weil sie nicht als dumm neben ihnen aussehen wollen. Somit ist das Buch von Cordula genau das, was ich in meiner Rezension schon schrieb: Die "Bibel" des "kleinen" Weinkenners. Und was ist falsch daran? Nur weil einige mehr über Wein wissen und ihr Wissen als nicht ausreichend gewürdigt ansehen? Es steht jedem frei, selbst ein Buch über die Weineinkaufslandschaft Deutschland zu schreiben. Und ich gönne Cordula jeden Erfolg - dafür muss mir ihr Buch trotzdem nicht zu 100% gefallen. Vineuze groetjes - Huub.

Pasta hat gesagt…

Du schreibst “... leuchtet direkt ein, dass in diesem Buch keine wirklich fundierten Weinkritiken zu finden sein werden.“
Man nehme mal den GM, die einzige und wirkliche Bibel für den echten und wahrhaftigen Weinkenner zur Hand. Darin sind genau 0% Weinbeschreibungen zu finden. Man muss sich mit nackten Punktzahlen zufrieden geben.
Die Aufregung um das Buch versteh ich nicht. Wie immer wird der Markt das Urteil fällen. Wer sich das Buch wiederkauft, fühlt sich von ihm offensichtlich gut beraten.

Huub Dykhuizen hat gesagt…

@Spaghetti :-)


Wer ist denn der einzig wahre und echte Weinkenner? Was zeichnet ihn aus? Der GM vergibt Punkte? Das machen andere auch, und die sind sogar verdammt einflussreich: Parker, Spectator, Decanter, Platter, Penin und und und ... Zeichnet es den Weinkenner aus, dass er mit Punkten zufriedenzustellen ist?

Was ich damit sagen möchte, ist, dass jeder die Informationsquelle nutzen soll, die er mag. Und ganz ehrlich - wozu die ganze Aufregung?

Pasta hat gesagt…

Könnte ja immerhin sein, dass die ganze Aufregung Teil des Marketingkonzeptes ist .....

Huub Dykhuizen hat gesagt…

Trommeln gehört zum Handwerk. Und ich hätte nichts dagegen Teil des Konzeptes zu sein und dafür ein nettes Geld zu kassieren. Stattdessen mache ich es freiwillig und ich weiß nur zu gut, dass meine Kritik dem Buch weitere Aufmerksamkeit schenkt. Je kontroverser die Diskussionen, desto besser für alle - denn nur so kommen alle Argumente auf den Tisch.

Volker Vogel hat gesagt…

Hallo Huub,
mit Deiner Rezension über Cordulas Buch (immer den Namen zu schreiben dauert ja ewig!) hast Du tendenziell natürlich Recht. Es ist kein Buch für Weinkenner, das soll es ja auch nicht sein. Auch die Bemerkungen zu den einzelnen Weinen ist manchmal arg hergeholt. Ich finde das Buch für die Leute gut, die bisher so gar nichts mit Wein anfangen konnten und dachten, ein Blanchet oder ein hergelaufener Käferwein sei etwas ganz Tolles! Ich habe das Buch jedenfalls einigen Leuten empfohlen (und sogar an ein paar verschenkt), die z.B. glauben, ein Wein von Käfer muss ja toll sein. Was ich damit erreichen will? Ich will, dass sich die Leute wenigstens etwas mit dem beschäftigen, was sie sich abends einflößen. Dass Geschmäcker verschieden sind, ist klar und gut so. Vielleicht gelingt Cordula mit dem Buch ja, dass sich mehr Leute für (guten) Wein interessieren. Das wäre doch schon was, oder?
LG, Volker

Huub Dykhuizen hat gesagt…

Hallo Volker,

zunächst vielen Dank für Deinen Kommentar, den ich als sehr interessant ansehe. Hättest Du mit dem Verschenken des Buchs mal bis heute gewartet - da hättest Du nicht nur Geld gespart, sondern hättest auch noch gleich zwei Weine mitsamt Buch verschenken können.

Deine Meinung, dass Cordulas Buch wirklich hilft gute Weine zu entdecken, teile ich nicht. Auch ich habe einige Weine, die von Cordula empfohlen wurden, gekaut und probiert. Was soll ich lange um den heißen Brei reden? Sie haben mir absolut nicht zugesagt und mich in meiner Meinung gefestigt, dass es keine guten Sortimentsweine bei den Discountern gibt. Der eine oder andere Aktionswein sticht aus dem Angebot hingegen schon einmal heraus und kann wärmstens empfohlen werden :-)

Huub