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Aus der Welt des Weins

Weinreifung per Defibrillator


Die Überschrift ist in der Tat provokant gewählt, aber zugleich mit Bedacht. Jetzt altern Weine in Minutenschnelle - mittels Strom. So mancher Winzer träumte schon immer von der Möglichkeit aus seinen Weinen den größtmöglichen Profit zu ziehen. Es müsste eine Möglichkeit geben, Weine künstlich so altern zu lassen, dass sie als perfekt trinkreife Weine auf den Markt gebracht werden können. Und das ohne langjährigen Lageraufwand und den damit verbundenen Kosten. Schließlich gelten alte und reife Weine als Inbegriff des vollkommenen Weingenusses. Für alte Jahrgänge, und das nicht nur für die berühmtesten Weingüter, werden weltweit astronomische Preise verlangt und bezahlt.


(…) „Schwester, der ‚Patient’ ist mir noch nicht alt genug. Geben Sie mir den Defibrillator. Er bekommt eine weitere Ladung von mir.“ (…)



Das obige Beispiel scheint vollkommener Blödsinn zu sein, dennoch entbehrt er nicht eines Fünkchens Wahrheit. Mittlerweile scheinen chinesische Wissenschaftler tatsächlich herausgefunden zu haben, wie Wein deutlich schneller altern kann. Mittels Strom kann Wein innerhalb weniger Minuten von einem jungen Wein zu einem gereiften Jahrgang gewandelt werden.


In mehreren Tests wurde Rotwein elektrischen Feldern ausgesetzt. Überraschenderweise alterte der Wein dabei nicht nur, seine Qualität verbesserte sich sogar nachweislich. Selbst aus einem einfachen Qualitätswein konnte ein besonders wohlschmeckender Wein gewonnen worden. Offenbar lösen die elektrischen Felder chemische Reaktionen im Wein aus, die nicht nur den Alterungsprozess beschleunigen, sondern auch qualitativ zum Positiven hin verändern. Wissenschaftler der Fachzeitschrift New Scientist bewiesen in Praxis-Tests, dass zum Beispiel ein drei Monate alter Rotwein aus der Rebsorte Cabernet Sauvignon derart verändert werden kann, dass ausgebildete Weintester zu dem Schluss gelangten, sie hätten einen deutlich reiferen Wein getrunken. Ein drei Monate alter Wein könne diesen Geschmack nicht bieten. Der Wein wurde an zwei Titanelektroden vorbeigeleitet, die elektrisch aufgeladen waren. Durch die unterschiedliche Spannung wurde dabei ein elektrisches Feld erzeugt. In dem oben geschilderten Fall reichte eine Strombehandlung von durchschnittlich fünf Minuten.

Neben den ausgebildeten Weintestern analysierten Chemiker die Ergebnisse dieser Testreihen. Sie fanden heraus, dass die chemischen Reifungsprozesse im Wein durch den Strom tatsächlich schneller abgelaufen waren. Die elektrischen Felder sind offenbar dafür verantwortlich, dass sich verstärkt Ester gebildet haben – Aromagrundstoff eines jeden Weins. Demgegenüber waren deutlich weniger langkettige Alkohole festzustellen, die im Allgemeinen für schlechte Geschmacksnoten und Gerüche verantwortlich gemacht werden.

Es ist noch nicht davon auszugehen, dass derart behandelte Weine in naher Zukunft in den Handel gelangen werden. Die genaue Dosierung der Strombehandlung ist noch ein diffiziles Thema. Weine, die einer zu langen oder starken Strombehandlung unterzogen werden, offenbarten unerwünschte chemische Eigenschaften und bestachen durch einen recht eigenwilligen Duft: sie stanken zum Teil erbärmlich.


Mit einem leichten Stromschlag in den Korken - Huub :-)



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