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Aus der Welt des Weins

Wein mit Placebowirkung?


So manche private aber auch so manche professionelle Weinverkostung sollte mit der Überschrift Heuchelei versehen werden! Neutral und unabhängig sind die wenigsten - der eigene Geschmack bleibt bei zu vielen Weinproben außen vor. Häufig genug mögen Menschen Weine nur, weil sie hohe Punktzahlen von Robert Parker, Wine Spectator oder anderen Weinkritikern und Fachmagazinen erhielten. Prestige ist alles. Ist Prestige wirklich alles?

In wissenschaftlichen Studien wurde häufig die Kraft der Suggestion im Bezug auf die Wahrnehmung und die Auswirkung auf eigene Erwartungen demonstriert. So gehen viele Menschen oftmals selbstverständlich davon aus, dass ein teurer Wein viel mehr an begehrenswerten Charakteristiken aufweist, als ein preiswerter Wein. Wird der selbe Wein mal als teuer und mal als preisgünstig vorgegeben, bewerten viele Menschen den Wein automatisch besser, wenn er ihnen als teuer vorgestellt wurde. 
Der französische Wissenschaftler Frédéric Brochet präsentierte im Rahmen einer Studie den Teilnehmern einmal einen mittelmäßigen Bordeaux in zwei unterschiedlich etikettierten Flaschen. Die eine Flasche wies den Wein als Tafelwein und die andere Flasche als Grand Cru aus. Und nun rate einmal, welche Ergebnisse er erzielte? Der vermeintliche Grand Cru wurde als komplexer Wein mit schönen Holznoten und geschmeidigen Tanninen beschrieben, während der Tafelwein als kurz, langweilig, leicht und teilweise sogar als fehlerhaft bewertet wurde. Wer mag aufgrund derartiger Beispiele noch an die Verlässlichkeit von 100-Punkteskalen glauben?

Ich stelle mir gerade eine Testanordnung vor, in der Händler, Kritiker und Weinjournalisten in zwei unterschiedliche Weingüter eingeladen werden. Mal in ein einfaches Weingut und mal in ein renommiertes Château. Allerdings werden die Weine des Château in dem einfachen Weingut und umgekehrt zur Verkostung angeboten. Das Resultat würde sicher wie in der Versuchsanordnung von Frédéric Brochet ausfallen.
Es gibt noch viele weitere Studien bezüglich Wein und Suggestion. Nicht umsonst sprechen viele Wissenschaftler von der Placebowirkung von Etiketten, Namen von großen Weingütern oder der bloßen Preisangabe.
Für jeden Weinfreund sollte der eigene Geschmack stets im Vordergrund stehen. In meinen Weinseminaren räume ich deswegen stets der eigenen Sensorik der Teilnehmer den größten Platz ein. Mündige Weintrinker sind mir jedenfalls tausendmal lieber als Etiketten-, Punkte-, Preis- und/oder Prestigetrinker.
Wie schrieb schon ein anderer Weinblogger so schön? Wein muss lecker sein und mir schmecken - niemand anderem sonst.
In diesem Sinne - weinige Grüße
Huub

Kommentare:

Leo hat gesagt…

Oh ja, das kenne ich sehr gut. Diesem Artikel kann ich nur absolut zustimmen. Leider ist es nämlich wirklich sehr oft so, dass der "gemeine" Weinfreund mit Vorsatz hinters Licht geführt oder generell in eine Richtung "konditioniert" wird ohne sich dagegen wehren zu können.

Ich habe zu diesem Thema bezüglich Weineinkauf nach Punkten und Bewertungen auch schon einen Artikel geschrieben weil ich der Ansicht bin, dass am Ende nur der eigene Geschmack zählt. 90 Parker-Punkte nützen gar nichts wenn mir der Tropfen nicht schmeckt. Ich bin überhaupt kein Freund dieser Punktesysteme welche einzig und allein einem kommerziellen Zweck dienen. Abgesehen davon haben auch Weine diese heiss begehrten Punkte die Parker selbst niemals verkostet hat. Also was soll das ganze?

Den Spass mit Wein vertauschen habe ich mir persönlich schon einmal bei einem Bekannten und selbsternannten "Experten" gemacht. Das Ergebnis deckt sich mit deiner Analyse. Ich habe mir allerdings gespart ihn darauf aufmerksam zu machen und ihn einfach dumm sterben lassen, weil solche Leute einfach nicht lernfähig sind :-)

Huub Dykhuizen hat gesagt…

Daag Leo,

es zeigt sich halt immer wieder: Wein ist ein gar sonderbares Getränk :-)

Huub