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Aus der Welt des Weins

Der getäuschte Gaumen

Die schottische Universität von Hertfordshire Wein führte anlässlich des Edinburgher Wissenschaftsfest einen interessanten Blindtest mit 578 Teilnehmern aus, die zufällig aus dem Publikum dieser Veranstaltung ausgewählt wurden. Das Resultat war einmal mehr verblüffend: Weine, die weniger als 5 £ pro Flasche kosten, können auf den Gaumen den selben Effekt haben, wie eine Flasche, die bis zu sechsmal so viel kostet. 

Zum Test standen Weiß- und Rotweine sowie zwei Champagner. Die Preise der einzelnen zu testenden Weine lagen zwischen weniger als 5 £ bis 30 £. Bei allen vergleichenden Tests wurden die Teilnehmer gebeten zu sagen, in welchem Glas das preiswerte und in welchem Glas das teurere Produkt sei. Die Teilnehmer konnten dabei nur zu 50% die preiswerten von den teuren Weinen unterscheiden! Bei zwei zu vergleichenden Gläsern entsprechen 50% gerade einmal der statistischen Chance die Weine richtig zuzuordnen.  Ein geschmacklicher Unterschied wurde in diesem Blindtest hingegen nicht wirklich sicher erkannt. Der leitende Forscher dieses Vergleichstest, der Psychologie-Professor Richard Wiseman, sieht dieses Testergebnis als  deutliches Indiz dafür, dass viele Menschen in erster Linie lediglich für das Etikett zahlen, das den teureren Wein verspricht. Die Menschen treffen ihre Kaufentscheidung somit in erster Linie nicht mit ihren eigenen Geschmacksurteil sondern mit dem Geldbeutel, getreu dem Motto: Gut ist nur, was teuer ist...

Aus meiner Sicht ist der Test nicht wirklich repräsentativ. Ein teurer Wein muss schließlich nicht zwangsläufig besser schmecken als ein preiswerter Wein, somit ist das Testergebnis für mich alles andere als wirklich lehrreich! Wenn den Testpersonen der preiswerte Wein einfach besser schmeckte, und sie dafür mehr Geld ausgeben würden, dann spricht das eindeutig für das Geschmackserlebnis dieses Weins! Und das vollkommen unabhängig von seinem Verkaufspreis. Zweifelsohne gibt es Menschen, die als "Etikettentrinker" bekannt sind. So wird nur nach dem Namen des Weinguts eingekauft, egal wie teuer der Wein ist. Und sollte er dann doch nicht schmecken, dann wird zum Beispiel ein Château Mouton Rothschild einfach mit Cola gemixt (alles schon live gesehen). 

Im Hinblick auf den "Durchschnittsweintrinker" sieht es aber gleich anders aus. Zwar kaufen auch diese ihren Wein nach dem Geldbeutel - und achten dabei ebenfalls sehr genau auf den Preis - allerdings kaufen sie nicht die teuren sondern die preiswerten Weine. Die Verkaufsstatistiken in der deutschen Weinlandschaft sprechen da eine deutliche Sprache.
Meines Erachtens liegt es daran, dass viele Menschen immer noch einen unsicheren Umgang mit dem Thema Wein haben, auf Grund von nicht unter zu kriegenden Mythen, Vorbehalten und populistischem Halbwissen. Ein wirklicher Vergleich findet in den eigenen vier Wänden so gut wie nie statt. Es wird die Flasche geöffnet, die gerade da ist. Punkt.

Und apropos teure Weine.  Mir ist schon oft genug ein Wein geschenkt worden, der gut sein muss - schließlich sei er teuer gewesen. Der Begriff "teuer" ist bekanntlich relativ und sagt über den Geschmack absolut nichts aus (damit gebe ich dem Ergebnis des schottischen Tests indirekt recht). Wie heißt es doch außerdem so schön? Über Geschmack lässt sich nicht, oder vortrefflich streiten.

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